Die "Google Print - Revolution" und die Obsoleszenz des Kapitalismus

Thursday, 3. November 2005 @ 16:55

"Google Print" ist ein neues Service von Google. Unter http://print.google.com kann seit kurzem im Volltext von Büchern gesucht werden. Wer mit dem Internet arbeitet weiß wie unabdingbar Suchmaschinen wie Google für die Benutzung des Netzes sind. Aber stellen wir uns vor wir könnten auch noch in Millionen von Büchern suchen. Ab jetzt ist das möglich. Zwar wurden erst relativ wenige Bücher von Google gescannt und zum Teil gibt es heftige Widerstände weil viele dadurch ihre Profite in Gefahr sehen, aber wenn der Geist erst einmal aus der Flasche ist, d.h. wenn sich die UserInnen an das neue Service gewöhnt haben, wird wohl niemand mehr es missen wollen. Bücher die, weil sich AutorInnen oder VerlegerInnen dagegen quer legen, nicht in Google Print gefunden werden, werden auch weniger gekauft werden. "When it's not on the web, it does not exist" galt auch bisher schon und so ist zu erwarten, dass Verleger und Autoren schnell ihren Widerstand aufgeben werden. "Stell dir vor du sitzt vor deinem Computer und kannst in weniger als einer Sekunde alle Bücher durchsuchen die jemals geschrieben wurden. Stell dir vor ein Historiker kann sofort alle Bücher finden in denen die Schlacht von Algier erwähnt wird. Stell dir vor ein Student in Bangladesh entdeckt einen, vergriffenen Autor den es nur noch in einer Bibliothek am anderen Ende der Welt zu lesen gibt. Jedes Buch kann mit wenigen Tastendrücken gefunden werden. Überall, von Allen und Jederzeit." So preist Eric Schmidt im "Wall Street Journal" die Vision von Google Print an. (siehe googleblog)

Die GegnerInnen des Projekt nehmen sich aber auch kein Blatt vor den Mund und werfen Google vor, dass damit das "Geistige Eigentum" abgeschafft werden soll. Auch wenn Goolge sehr wohl massive kommerzielle Interessen an dem Projekt hat könnten die KritikerInnen damit recht haben, denn mit Goolgle Print sollte die Obsoleszenz des so genannten "Geistigen Eigentums" für Alle, die es bis jetzt noch nicht kapiert haben, endgültig evident werden. Warum darf aus den Suchergebnissen nicht mit Cut & Paste zitiert werden? Warum sind die Werke nicht im Voll Text downloadbar sondern müssen erst mühsam und teuer bestellt werden? Warum muss ich mich einloggen? Warum kann ich nicht das ganze Buch online lesen? Das werden die Fragen sein die sich die UserInnen stellen. Die auf der Hand liegende Antwort wird hoffentlich ein weiterer Sargnagel für das "Geistigen Eigentums" sein.

Und mit dem zunehmenden Stellenwert von immaterieller Arbeit in unserer Gesellschaft wird damit nicht nur "Geistiges Eigentum" sonder "Eigentum" als solches in Frage gestellt werden. Der Kapitalismus ist längst obsolet. Nicht nur ist Kapitalismus Verantwortlich für Krieg, Hunger, Tod, Ausbeutung und Armut in der Welt, Kapitalismus wird auch immer mehr zum Hemmschuh für die Produktivität in der Wissens- und Informationsgesellschaft. Freie Software und Wikipedia zeigen dass Produktion effizienter ohne den Kapitalismus funktionieren kann. Weg mit Biopatenten, Software Patenten und Urheberrechten: Freies Wissen und Freie Information für Alle.

(mond)

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