KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

Der Zensurbalken im eigenen Auge

Die Begriffe "Pressefreiheit" und "Zensur" sind seit der Aufregung um die Mohamedkarikaturen in aller Munde. Zeigt sich in den Vorfällen einerseits wieder einmal deutlich das extrm reaktionäre Potenzial, vor allem der monotheistischen Religionen, so ist es andererseits erschreckend wie sehr in der ganzen Diskussion übersehen wird wie stark Zensur in unserer ach so liberalen Gesellschaft geübt wird. Die Religion der neoliberalen Marktwirtschaft steht andern Religionen in Sachen Zensur um nichts nach.

Informatoinsveröffentlichung die den Mächtigen unangenhem ist, wird allerorts Unterdrückt. Bei uns ist das alles was den Konzernen und ihren Profitinteressen schadet. Mit ständig verschärften Urheberechten, Markenschutz, Patentrechten und ähnlichen Gesetzen wird zunehmend Informationsaustausch unterdrückt der den Profitinteressen der Konzerne zuwiderläuft. Diese Art der Zensur haben viele inzwischen so sehr verinnerlicht, dass sie ihnen kaum noch auffällt.

Dabei stand die Zensur bei der Entstehung des Copyrights Pate. Nach der Erfindung des Buchdruckes standen die Herrschenden vor dem Problem dass jetzt neue, revolutionäre Ideen relativ einfach verbreitet werden und somit den Herrschenden gefährlich werden konnten. Um die Druckwerke besser kontrollieren zu können wurde die Erlaubniss zum Drucken an einzelne einzelen Unternehmer vergeben die, wollten sie diese Erlaubniss nicht verlieren, der Selbstzensur Unterwerfen. Aus dieser Praxis ging mit dem Statut von Anne, im Jahre 1710 das erste "Copyright" Gesetz hervor.

Von ursprünglich 14 Jahren wurde die Gültigkeitsdauer von Copyright heute auf 50 bis 70 oder 95 Jahre ausgedehnt. Anlass für die Ausdehnung war Disneys Rechte auf Mikey Mouse im Jahre 2003 abgelaufen wären. Dank großzügiger Wahlkampfspenden seitens Disney wurde die Gültigkeitsdauer von Urheberrecht in den USA von der Clinton Regirung um 20 Jahre verlängert.

Siehe: The Mouse that ate the Public Domain

Wer jedenfalls meint dass es bei uns keine Zensur gäbe, der oder die soll einemal ein Urheberrechtlich geschütztes Werk (am besten einen aktuellen Blockbuster) auf seine Homepage stellen und dann warten wie lange es dauert bis eine Schaar von Anwälten an der Tür klopft.

Aber es reicht auch schon ein künstlerisches Werk zu schaffen, dass einen Logo Schriftzug eines bekannten Unternehmens karikiert um mit unseren legalisierten Zensurbehörden in Kontakt zu kommen. Etwa 4500 Euro an Kosten für ein Plakat dass maximal etwa 100 Leute gesehen haben können. Solche Dinge passieren bei uns täglich aber leider geht kein Aufschrei durch die Presse der die Zensur anprangert.

Auch diese Art von Zensur kostet übrigens zahlreiche Menschenleben. Durch die Lizenzgebühren die die Konzerne für die Produktion von Medizin und anderen für die Menschen wichtigen technischen Methoden verlangen sterben in der dritten Welt laufenden Menschen.

Von der lautlosen Selbstzensur der Kommerziellen Medien, die durch die Abhähngigkeit von den Inserateneinnahmen auf die Kritik an Konzernpraktiken gerne mal verzichten ganz zu schweigen.

Auf dem Weg zu Presse und Informationsfreiheit haben wir jedenfalls noch einen sehr weiten Weg vor uns. Der Kampf gegen das "Geistige Eigentumsregime" muss dabei oberste Priorität haben.

(Mond).