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Bacardi - Rum aus Cuba?

Die Firma Bacardi - Martini GMBH ist verantwortungsbewußt! Vor allem der Jugend gegenüber. Schaut man auf ihre Homepage erscheint zuerst ein Fenster in das man sein Alter eingeben muß um weiter auf ihre Seite zu gelangen.
Zitat:"Wir sind seit 1862 da, also werden wir auch noch da sein, wenn Sie das gesetzliche Alter für einen Besuch bei uns haben!" Weiters:" Bacardi-Martini unterstützt den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol."

So weit so gut! Bacardi ist eine verantwortungsvolle Firma, die sich um Gesetze kümmert. Auch wenn es Gesetze sind, die nicht von ihnen gemacht worden sind. Denn Bacardi läßt Gesetze machen. Zu ihrem eigenen Schutz, zum Schutz des Firmenprofits und dessen Maximierung, auch wenn diese Gesetze international nicht rechtens sind!



Der Höhenflug der Marke Bacardi begann eigentlich im Jahre 1919. Das war das Jahr, in dem man in den USA glaubte, mittels der sogenannten "Prohibition" den Alkoholkonsum unterbinden zu können. Wie man weiß, war dem nicht so. Nur wurde dadurch einigen unerwünschten Ganoven Tür und Tor geöffnet, um ihren Reichtum durch illegale Geschäfte zu vermehren. Al Capone und Meyer Lansky, zwei Paten der Cosa Nostra, suchten eine Möglichkeit, Alkohol in die USA einzuschmuggeln und fanden in der damaligen Regierung Kubas einen willfährigen Partner. Auch war es ihnen möglich, auf dieser Insel ein Paradies für Nordamerikane, die Prostitution, Glücksspiel und Möglichkeiten zur Geldwäsche suchten, einzurichten. Der damalige kubanische Finanzminister war niemand geringerer als José Pepín Bosch, der Präsident von Bacardi.In diesen Jahren war es Pepín Bosch möglich, das Bacardiimperium über die Insel hinaus auszudehnen. 1929 wurde die erste Destillerie in Mexico gegründet. Die erste Alkohollieferung nach der Aufhebung des Alkoholverbotes in den Vereinigten Staaten im Jahr 1933 kam aus Kuba. Sie bestand aus 80.000 Kisten Bacardi-Rum!
Ein Jahr darauf gründete Bosch ein Werk in der US-amerikanischen Halbkolonie Puerto Rico. Und das nicht ohne Grund! Bei Produkten aus Puerto Rico verlangen die USA weit geringere Einfuhrzölle und so sparte sich Bacardi einiges Geld. Die Folgen für Kuba waren der Rückgang der Zuckerrohrproduktion, da Bacardi nun den Großteil seines Zuckerrohrs aus anderen südamerikanischen Ländern bezog und der Rückgang der Ausfuhr von Rum in die USA von im Jahr 1935 von 52% auf 7,3% im Jahr 1940. Bacardi ging es aber nicht schlechter!
Um die Trennung von Kuba perfekt zu machen unternahm Pepín Bosch im Jahr 1957 eine Reise auf die Bahamas, um dort seine Markenbezeichnung "Bacardi" eintragen zu lassen und damit den Firmenhauptsitz auf die Bahamas zu verlegen. Das alles geschah zwei Jahre bevor die Revolution auf Kuba siegte!

Als Anfang Jänner 1959 Fidel Castro in Havanna einzog, wurde er von der Bevölkerung jubelnd empfangen. Auch von Bacardi! Am Bacardihaus mitten in Havanna wurde von der Firma ein riesiges Transparent entrollt, auf dem zu lesen war:"Danke Fidel". Bei Castros Reise in die USA wurde er sogar von den zwei höchsten Bacardirepräsentanten begleitet, José Pepín Bosch und Daniel Bacardi!. Die kubanische Bourgeosie war der Meinung, daß die Revolution nur einige laue Gesetze verabschieden würde, um sich dann mit ihnen zu arrangieren! Doch dem war nicht so!

Schon einen Monat nach dieser Reise beschloss das Revolutionskomitee die erste großangelegte Bodenreform und kurze Zeit später wurde das Gesetz Nr.851 verabschiedet, das den Präsidenten und den Premierminister ermächtigte, nationales und ausländisches Eigentum zu verstaatlichen, wenn sie es zum Schutz des nationalen Interesses für angemessen hielten. Im Artikel 5 des gleichen Gesetzes stand aber auch, daß die enteigneten Gesellschaften ein Recht auf Entschädigung haben! Weder Bacardi noch andere Firmen wie Shell, General Motors oder Chiquita machten jemals Gebrauch davon. Jahre später beschlossen private und verstaatlichte Konzerne aus Ländern wie Frankreich, Mexiko, Schweiz, Kanada usw. das Angebot der kubanischen Regierung anzunehemen und wurden ausgezahlt!

Am 7. Februar 1962 wurde vom demokratischen Präsidenten John F. Kennedy die offizielle Wirtschafts-, Handels- und Finazblockade über Kuba verhängt. Gleichzeitig begannen auch die ersten terroristischen Angriffe auf Kuba, unterstützt vom CIA und von Bacardi! Eine der Hauptaktionen dieser Zeit war die kläglich gescheiterte Invasion der Brigade 2506 in der Playa Giron!

Auch wurde damals von Pepín Bosch mit finanzieller Unterstützung von Bacardi, CIA und der Cosa Nostra die Representación Cubana en el Exilio (RECE) in Miami ins Leben gerufen, angeblich durch eine Wahl der Exilkubaner in der ganzen Welt. Ziel dieser Organisation war es, eine weitere Invasion auf Kuba vorzubereiten. Diese wurde aber nie durchgeführt, sondern das Geld wurde für Anschläge in Kuba und anderen Ländern verwendet.
Ein führendes Mitglied der RECE war Orlando Bosch Ávila. Er allein führte mit seiner Gruppe Poder Cubano im Jahr 1986 über 70 Bombenanschläge gegen kubanische Einrichtungen in der ganzen Welt durch. Anschläge mit kubanischen Opfern gab es unter anderem in Spanien, England und Polen.
Im Jahr 1976 sprengte er mit einem anderen Exilkubaner, der wie er vom CIA ausgebildet worden war, ein Flugzeug der kubanischen Airline in die Luft, bei der es 73 Tote - darunter viele junge Menschen - gegeben hat. Dafür wurde er in Venezuela verurteilt, konnte aber mit Hilfe des gegenwärtigen US-Beauftragten für Lateinamerika, Otto Reich, in die USA flüchten, wo er trotz Asylverweigerung der amerikanischen Gerichte (der FBI bezeichnet Orlando Bosch Ávila als einen der gefährlichsten Terroristen der Welt) unbehelligt lebt, während im Jahr 2001 fünf Kubaner (Miami Five), die u. a. ihn und seine Gruppe Gruppe beobachteten, teilweise zu lebenslanger Haft verurteilt wurden.
Im Jahr 1981 wurde die Rece aufgelöst, weil das Ziel, Castro mit terroristischen Mittel zu stürzen nicht erreicht worden war.

An ihrer Statt wurde von Aktionären und führenden Mitgliedern von Bacardi wiederum gemeinsam mit dem CIA die ultrarechte Fundatión Nacional Cubano Americana (FNCA) gegründet. Mit von der Partie waren Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses, wie Robert Torricelli, Bob Graham und Jesse Helms. Ziel war es, Castro diesmal mit politischen Mitteln aus dem Weg zu schaffen.
Nach jahrelangem Lobbying gelang es Bacardi und der FNCA, den sogenannten "Torricelli Act" als Gesetz verabschieden zu lassen.

Der Torricelli Act untersagt Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen im Ausland jeglichen Handel mit Kuba. Schiffen ausländischer Unternehmen, die in kubanischen Häfen anlegen, wird eine Sperre für das Anlaufen US-amerikanischer Häfen auferlegt. Auch müssen ausländische Schiffe die Handel mit Kuba treiben, mit der Beschlagnahmung rechnen, sobald sie sich in US-amerikanischen Gewässern befinden. Angehörigen kubanischer Familien ist es verboten Geldsendungen nach Kuba zu schicken. Des weiteren wurde US-amerikanischen Staatbürgern die Einreise nach Kuba untersagt.
Ziel des Torricelli-Acts war die Lahmlegung der kubanischen Ökonomie in einem Ausmaß, die innerhalb weniger Wochen zum Sturz des kubanischen Präsidenten Fidel Castro führen sollte, wie Robert Torricelli 1992 erklärte.
Doch dies war den reaktionären Kräften von Bacardi nicht genug und so folgte im Jahr 1996 der Helms-Burton Act.

Der Helms-Burton Act verbietet US-Bürgern und Vertretern der USA, Darlehen oder andere Finanzierungsformen zum Zwecke finanzieller Transaktionen, die konfisziertes Eigentum betreffen, auf das Bürger der USA Anspruch erheben, zu verlängern. Die Einfuhr und der Handel von kubanischen Waren oder Waren, die von oder durch Kuba transportiert wurden oder aus Produkten bestehen, die in Kuba wachsen, hergestellt oder verarbeitet wurden, ist verboten. Auch ausländische Investoren können nun von US-Bürgern verklagt werden, wenn sie Geld investieren, das in Kuba in Unternehmen oder Immobilien fließt, die während Fidel Castros Revolution enteignet wurden. Auch kann ihnen dann ein Einreise-Visum in die USA verweigert werden.

Die kubanische Regierung bezeichnet die von den USA verhängten Sanktionen richtigerweise als Blockade. Die verhängten Gesetze behindern normale Beziehungen Kubas zu ausländischen Staaten und Institutionen. Es wird geschätzt, dass 90 % des Handeleinbruches den Handel mit Nahrungsmitteln und medizinischen Produkten betreffen, was naturgemäß vor allem der Bevölkerung schadet.

Doch dieses Gesetz wurde von der Internationalen Wirtschaftsgemeinschaft nicht widerspruchslos hingenommen.
Der Helms-Burton Act wurde von der EU, Kanada, Mexiko, Argentinien, und anderen Ländern, die normale Handelsbeziehungen mit Kuba haben, verurteilt. Kritik kam auch von Menschenrechtsorganisationen.
Um den Auswirkungen des Gesetzes entgegenzusteuern erließen verschieden Länder eigene Gesetze, so zum Beispiel Kanada und Mexico.
Die UN-Generalversammlung verabschiedete im November 2000 eine vom kubanischen Außenminister Felipe Pérez Roque eingebrachte Resolution, welche die Aufhebung aller Sanktionen gegen Kuba forderte (167 Stimmen dafür/3 Gegenstimmen (USA, Israel, Marschall-Inseln)/4 Enthaltungen).
Beide Gesetzte - Torricelli-Act und Helms-Burton-Act - wurden übrigens unter dem Demokraten Bill Clinton verabschiedet, der sich in einem späteren Interview dafür mit der Begründung entschuldigte, er habe sie nicht richtig verstanden.

Im Jahr 1993 wurde in der USA der US-Cuba Business Council gegründet. Zielsetzung dieser Vereinigung verschiedener Konzerne, wie zum Beispiel Bacardi, Chiquita, Coca Cola, Pepsi Cola Texaco, Ford Motor oder Colgate Palmolive ist es:"sich bereit zu halten für Handel und Investition in einem demokratischen Cuba mit freier Marktwirtschaft." Weiters:"unterstützt er die gegenwärtige US-Politik gegenüber Kuba, die ausgerichtet ist auf Wiedererlangen der konfiszierten Güter und auf demokratische Veränderung, die Freiheit und Menschenrechte unter der Herrschaft des Gesetzes garantieren.".
Mit Hilfe des Helms-Burton Acts werden sich diese Firmen, die im US-Cuba Business Council vereinigt sind Kuba untereinander aufteilen. Firmen, wie Pernod Ricard, die eine Jointventure mit Havanna Club eingegangen sind oder Sol-Melía Hotels, die ihre Hotels in den USA verkauften, um mit den verstaatlichten Hotels in Kuba zusammen zu arbeiten, werden aus Kuba hinausgeschmissen werden.

Doch kann es wirklich so einfach sein, wie sich Bacardi und Co die Machtübernahme in Kuba vorstellen? Noch lebt Fidel Castro und trotz vieler Unkenrufe steht die Mehrheit des kubanischen Volkes hinter der Revolution und lehnt jede Einmischung der USA ab. Immer mehr Länder aus der EU, aus Kanada, Lateinamerika und Asien gehen mit der kubanischen Regierung Handelsbeziehungen ein.
Trotz riesiger Werbekampagne ist es eine Tatsache, dass Bacardi schon vor der Revolution einen Großteil der Produktionsstätten aus Kuba abgezogen hatte. Seit mehr als 60 Jahren hat Bacardi keinen kubanischen Zucker verwendet und Kuba durch Lobbying, Campaignung ungd terroristische Akte geschadet.

Wer in Europa kubanischen Rum trinken will, sollte sich an Havanna-Club halten.

Und im Übrigen: Auf der Bacardi- Homepage kann jede/r gefakte Daten eingeben - wer hätte denn auch geglaubt, dass sich die Firma Bacardi- Martini ernstlich Gedanken über Jugendschutz, Alkoholmissbrauch oder Ähnliches macht?

Thomas Schulz

(Quellen: 1.: Ospina, Hernando Calvo: I Zeichen der Fledermaus, PapyRossa, Köln 2002.
2.: http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite.
3.: www.cuba-si.de
4.: www.washingtonpost.com)

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