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B. Traven - ein fast vergessener Arbeiterschriftsteller

"Wo meine Heimat ist? Da wo mich niemand stört, niemand wissen will, wer ich bin, niemand wissen will, was ich tu', niemand wissen will, woher ich gekommen bin, da ist meine Heimat, da ist mein Vaterland"

Da B. Traven sein Leben lang versucht hat seinen "wahre" Identität zu verschleiern und unter zahlreichen Pseudonymen (Red Marut, Traven Torsvan, Hal Croves,...) gelebt und geschrieben hat, wusste man Jahre lang nichts Genaues über seine Herkunft.



Geboren wurde er wahrscheinlich um das Jahr 1890 in Deutschland unter den Namen Fred Maruth. Die erste gesicherte Hinweis auf ihn stammt aus dem Jahr 1907, als er als Schauspieler im Stadttheater Essen tätig war. Dort nahm er aber schon den Namen Red Marut an. Es folgten weitere Engagements als Schauspieler und Tänzer in verschiedenen Theatern in Deutschland.

Der 1. Weltkrieg veranlasste Ret Marut, seine Staatsangehörigkeit zu ändern. Er selbst ersetzte auf seiner Meldekarte die deutsche durch die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Im Jahr 1915 übersiedelte er nach München und ließ sich dort als Amerikaner registrieren.
Im Jahr 1916 erschien auch seine erste Novelle "An das Fräulein von S..." unter dem Pseudonym Richard Mauruth.
Im Jahr 1917 gründete er in München die radikal-anarchistische Zeitung "Der Ziegelbrenner".

Am 7. April 1919 kommt es zu Proklamation der Räterepublik in Bayern

"Wenn der Gehorsam der Proletarier ins Wanken gerät, erzittern die Fundamente des Staates und die Rebellion kauert sich zum Sprunge."

Marut war einer der führenden Köpfe der Räterepublik, obwohl er, im Frühjahr 1919, relativ unauffällige Funktionen innehatte: Er war im Propagandaausschuss des Provisorischen Revolutionären Zentralrats als einer von mehreren Zensoren der lokalen Tageszeitungen tätig und war Vorsitzender der Vorbereitenden Kommission zur Bildung des Revolutions-Tribunals.
Als am 1. Mai die Weißgardisten in München einmarschierten, wurde er auf der Straße erkannt und sofort verhaftet. Er wurde des Hochverrates angeklagt und zum Tode verurteilt.
Doch es gelang ihm die Flucht!

"Zwei Soldaten, in denen einen Augenblick lang wohl ein Funken Menschlichkeit aufstieg, als sie sahen, wie hier mit dem Kostbarsten, was der Mensch besitzt, mit dem Leben, umgegangen wurde, waren an diesem Entkommen nicht unbeteiligt. Ihnen sei an dieser Stelle gedankt."

Bis zum Sommer 1923 lebte er in Deutschland und Österreich im Untergrund. 1921 erschien die letzte Nummer (die 13.) des "Ziegelbrenners".

Im Jahr 1924 gelangte er über England, wo man ihn kurz inhaftierte, nach Mexiko.

Ein Tagebucheintrag lautet: "The Bavarian of Munich is dead."

Das Jahr 1925 war die Geburtsstunde des Schriftstellers B. Traven. In Deutschland erscheinen in der Zeitschrift "Vorwärts" erste Kurzgeschichten und als Fortsetzungsgeschichte "Die Baumwollpflücker". Im Jahr 1926 erscheint sein erster Roman "Das Totenschiff" im Verlag Büchergilde Gutenberg, in dem bis ins Jahr 1939 seine Bücher erschienen sind.

Während dieser Jahre unternahm er auch zahlreiche Reisen nach Chiapas zu dem Maya – Stamm der Lacandonen, bei denen er auch einige Zeit verblieb.
In der spanischen Tageszeitung "Solidaridad Obrega" (Barcelona) erscheint im Jahr 1938 ein solidarischer Brief Travens an die antifaschistischen Spanienkämpfer.

Im Jahr 1944 taucht er unter Namen Hal Crove als sein eigener Manager auf und im Jahr 1946 verhandelt er unter diesem Namen mit John Huston wegen der Filmrechte für "Der Schatz der Sierra Madre", der zwei Jahre später mit Humphrey Bogart und Walter Huston in den Hauptrollen im Kino anläuft und drei Oskars gewinnt. Hal Crove bestreitet aber immer wieder, B. Traven zu sein.
In den nächsten Jahren werden noch weitere Bücher verfilmt, so zum Beispiel " Das Totenschiff" mit Horst Buchholz und Mario Adorf in den Hauptrollen.

Im Jahr 1951 nimmt sich seine Frau Esperanza Lopez Mateos das Leben. Ein Jahr später heiratet er als Hal Crove die Mexikanerin Rosa Elena Lujan.

Am 4. März 1969 unterzeichnet B. Traven sein Testament; er, der 1890 in Chicago geborene Travens Torsvan Croves, habe während seiner schriftstellerischen Laufbahn die Namen B. Traven und Hal Croves geführt. Sein gesamter Besitz und die Rechte an seinem Werk sollen an Rosa Elena Lujan fallen.
Am 26. März gegen 18.00 Uhr stirbt Traven Torsvan Croves. Als Todesursache nennt die Sterbeurkunde Nierensklerose und Prostatakrebs.
Seine Asche wird vom Flugzeug aus über Chiapas verstreut.
Am 28. März gibt Rosa Elena Lujan der Presse bekannt, dass ihr verstorbener Mann mit dem deutschen Schauspieler, Schriftsteller und Revolutionär Ret Marut identisch sei.

B. Traven ist ein Arbeiterschriftsteller.
In seinen Romanen berichtet er zum Beispiel über die elenden Zustände, die in den großen Holzfällercamps im Dschungel herrschten ("Marsch ins Reich der Caoba", "Die Rebellion der Gehängten").
Im "Totenschiff" beschreibt er, wie die Staatsmacht in Zusammenarbeit mit den wirtschaftlichen Mächten einem Menschen das Leben zur Hölle machen kann, indem sie ihm die Existenz (durch das Verweigern von Papieren) abspricht und ihn so zwingt, als "toter" Sklave ohne irgendwelche Absicherungen für den Wohlstand und den Gewinn skrupelloser Geschäftemacher zu arbeiten und letztlich oft sogar sein Leben zu geben.

Mit dem Stilmittel des Abenteuerromans versucht er die Verbrechen des Kapitals, ganz egal, ob sie vom Staat oder von Privatpersonen begangen werden, aufzuzeigen. Und darum haben seine Romane und deren Aussagen auch heute noch Gültigkeit.

"Wo man so laut schreien muß: Wir sind ein Volk von freien Menschen!, da will man nur die Tatsache verdecken, dass die Freiheit vor die Hunde gegangen ist oder dass sie von Hundertausenden von Gesetzen, Verordnungen, Verfügungen, Anweisungen, Regelungen und Polizeiknüppeln so abgenagt worden ist, dass nur noch das Geschrei übriggeblieben ist."

Thomas Schulz

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