KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

No Pasaran!

Am 17. Juli 1936 begannen konservative spanische Generäle in Spanisch - Marokko eine lange geplante Revolte gegen die, nur vier Monate zuvor gewählte Frente Popular, die sich aus Sozialisten, Republikanern, der stalinistischen PCE, den liberalen Katalinisten und der linkskommunistischen PCE zusammensetzte.

Auf Seiten der Putschisten kämpften Teile der Armee, darunter viele maurische Söldner, die carlistischen Milizen (Requete) und die Falange, die bis 1937 noch relativ unabhängige Befehlsstrukturen behielten. Unterstützt wurden sie von deutschen und italienischen Materiallieferungen. Die Italiener schickten mit dem C.T.V. auch ein eigenes 80.000 Mann starkes Unterstützungscorps, die deutschen das Fliegercorps Legion Condor. Entscheidenden Einfluss besaßen die deutschen Ausbilder an den Infanterie- und Offizierschulen. Auch aus Portugal, den USA und Irland erhielten die Putschisten Unterstützung.

Ihnen gegenüber standen die der Regierung loyal gebliebenen Truppen, Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten und anarchosyndikalistische Gruppen.

Eine wesentliche Unterstützung erhielten die Regierungstruppen durch die Internationalen Brigaden, Freiwillige aus dem Ausland, die oft trotz mangelnder Kampferfahrung kämpften und in deren Reihen auch einige berühmte Schriftsteller standen.



Zur gleichen Zeit, als der Putsch begann, fand in Spanien die Arbeiterolympiade statt. Viele, der daran teilnehmenden Arbeiter aus aller Welt entschlossen sich im Rahmen der Volksmilizen an den Kämpfen gegen die Putschisten teilzunehmen.

Darunter befanden sich auch einige Österreicher, die, noch nicht in den Interbrigaden organisiert, ebenfalls an den ersten Kämpfen teilnahmen.

Die Interbrigaden wurden ab dem 9. Oktober 1936 aufgestellt. An diesem Tag erreichten die ersten 650 Freiwilligen mit dem Dampfer "Ciudad de Barcelona" den Hafen von Alicante.
Die Höchststärke der fünf mit XI. bis XV. bezeichneten Brigaden lag bei 18.000 Mann, welche aber durch die anhaltenden Verluste nie erreicht wurden. Mehr als ein Drittel der insgesamt 60.000 Interbrigadisten kam ums Leben - im Zuge der Kampfhandlungen, aber nicht selten auch im Zuge der durch die stalinistische PSUC vorgenommenen "Säuberungen".

Ein Großteil der Interbrigadisten setzte sich aus Deutschen, Franzosen, Italienern, Kanadier und US- Amerikanern zusammen.
Aber auch aus vielen anderen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien, China, Schweden, Kuba, Neuseeland, Mexiko, Schweiz, Ungarn, Türkei, Indien, Ukraine, Bolivien, Australien, Marokko usw. meldeten sich hunderte Freiwillige. Insgesammt nahmen Internationalisten aus 53 Länder an den Kämpfen teil.

Ein relativ hohes Potential an Kämpfern für den spanischen Bürgerkrieg stellte aber auch Österreich.
Die Zahl der Freiwilligen aus Österreich schwankt zwischen 1.400 (DÖW) und 5000. Sie ist unter Anderem darum nicht genau feststellbar, weil viele nicht in den Interbrigaden kämpften, sondern auch nach deren Gründung weiter bei den verschiedenen Milizen , wie der CNT/FAI, der POUM bzw. der republikanischen Armee verblieben. Ein weiterer Teil der Freiwilligen war in nichtmilitärischen Bereichen (Sanitätsdienst, Pressedienst, technischer Dienst etc.) tätig.

Schon im Oktober 1936 trafen die ersten Österreicher in Spanien ein. Dies waren meistens Schutzbündler, die bereits 1934 in die Sowjetunion geflüchtet sind. Ein großer Teil aber kam direkt aus Österreich, teils auf recht abenteuerlichen Wegen.

Für die organisierte Ausreise aus Österreich war von 1936 bis zu seiner Verhaftung im März 1937 der Kommunist Franz Storkan aus Wien zuständig. Er versorgte die Freiwilligen mit Geld, Bahnkarten, Kontaktadressen in Basel und Meldeadressen in Paris. In Paris nahmen die Freiwilligen Kontakt zum österreichischen oder internationalen Spanienkomitee auf. Auf Lastautos, per Bahn oder zu Fuß gelangten sie in die französischen Pyrenäen und überquerten zu Fuß die spanisch-französische Grenze.
Nach der Aushebung der Organisation Franz Storkans wurde es schwerer, nach Spanien zu kommen. Man ging nun dazu über, die Freiwilligen illegal über die Grenze zu bringen. Das Netz hierzu wurde von der Schweiz aus aufgebaut, wobei man diesseits und jenseits der Grenze auf Strukturen der illegalen Arbeiterbewegung zurückgriff.
In Vorarlberg waren die Anlaufstellen meist Gasthöfe, die von Sympathisanten und/oder illegalen Mitgliedern der Arbeiterparteien geführt oder deren Besitzer dafür bezahlt wurden. Von dort aus wurden sie von gewerbsmäßigen Schmugglern über die schweizerisch-österreichische Grenze gebracht, erhielten Unterstützung von der Schweizer "Roten Hilfe" und überschritten schließlich die französische Grenze.

Josef Gradl war einer von ihnen:

"Die Polizei meines Wohnkretzls in Wien Ottakring kannte mich als aktives Mitglied der KPÖ seit 1932. Wen kann es also wundern, dass ich nach dem Verbot der Partei im Jahr 1933 deshalb diverse Polizeistuben der Umgebung von innen kennenlernte.
Echt straffällig war ich jedoch nur viermal. 1933 wegen vebotenem Waffenbesitz, wegen der Februarkämpfe, wegen einer Demonstration am Nepomuk – Berger – Platz und durch Verrat. Am 23. Juli 1936 wurde ich wieder aus der Haft entlassen, ich war wieder frei.
Tage zuvor hatte der General Franco geputscht. Wir wussten wenig davon, genaues erfuhren wir erst im August. Bald war zu hören, dass Antifaschisten aus verschiedenen europäischen Ländern nach Spanien eilten, um dem spanischem Volk bei der Verteidigung der Republik beizustehen.
Wir alle wollten auch dabei sein, den mit den Faschisten, gleich welcher Nation, hatten wir noch seit Dem Februar 1934 eine Rechnung zu begleichen. Was war zu tun?

Ich brauchte einen gültigen Pass und Geld für die Reise. Nach mehreren mißglückten Versuchen, bekam ich endlich einen einwandfreien Pass auf den Namen Josef Bogad.
Von dem damaligen Kontaktmann für die Spanienfahrer – es war, wie ich später erfahren konnte, Rudolf Had aus Ottakring – ließ ich mir die Anlaufadressen in Basel und Paris geben.
Durch den Verkauf meines neuen Autogenschweißapparates und einer Spindelpresse konnte ich mir eine Schiausrüstung und einen Mantel mit Pelzbesatz kaufen. Ich wollte nämlich zunächst als "wohlsituierter Schiläufer" in die Schweiz. Einen Teil des Geldes ließ ich zurück für die anderen die auch nach Spanien wollten:
Für den Otto Schmidt (Stamperl) aus der Hasnerstraße, für den Felix Schubert aus der Roseggergasse und für den Josef Jina aus der Maroltingergasse, alle aus Ottakring.

Im Dezember 1936 machte ich mich endlich auf die Reise. Meine Freundin und spätere Gattin Irene begleitete mich auf den Westbahnhof. Ohne Schwierigkeiten gelangte ich mit meinen fast echten Pass über alle Grenzen.
Die Schiausrüstung habe ich in der Gepäcksaufbewahrung am Bahnhof Zürich deponiert. Ob ich gelegentlich nachfragen soll? Den Stadtpelz gab ich einem Chauffeur in Albacete, der konnte ihn besser brauchen als ich, der ich nun Soldat der spanischen Volksarmee war."

In Spanien angekommen, erhielten die Freiwilligen, die meistens keine militärische Ausbildung hatten, einen Schnellkurs im "Krieg führen" und wurden dann den verschiedenen Brigaden zugeteilt.

Viele Österreicher kamen ins deutsche "Thälmann – Bataillon", welches Teil der XI. Internationalen Brigade war. Es bestand aus ungefähr 1.500 Deutschen, Österreichern und Schweizern und war nach dem Führer der deutschen Kommunisten, Ernst Thälmann, benannt.
Haupteinsatzort der Brigade war die Verteidigung von Madrid und am Fluss Jarama. Kommandeur des Bataillons war der Schriftsteller Ludwig Renn.
In diesem Bataillons gab es fast rein österreichischen Kompanien: das "12.- Februar – Bataillon", die "Kompanie Koloman Wallisch" und die Kompanie "Franz Münichreiter".

Im November 1938 wurden die Internationalen Brigaden auf Drängen Frankreichs und Englands von der spanischen Regierung aufgelöst.
Viele der Internationalisten nahmen darauf hin die spanische Staatsbürgerschaft an und kämpften in der regulären Armee bis zum bitteren Ende im April 1939.

Die meisten aber gingen über die Grenze nach Frankreich, wo sie sofort interniert wurden, zum Beispiel in das Lager Gurs. Viele kämpften auf Seiten der französischen Widerstandsbewegung gegen die deutschen Nazis oder gingen nach Österreich zurück, wo sie im Untergrund den Kampf gegen Hitler wieder aufnahmen.

Die offizielle Liste von toten österreichischen Spanienkämpfern spricht von 220 Gefallen in Spanien, 117 Hingerichtete in deutschen Konzentrationslagern und 2 Ermordeten durch Stalins Säuberungswelle. Die Dunkelziffer ist aber bedeutend höher.

Einige Namen von Freiwilligen im Spanischen Bürgerkrieg: Ferdinand Berger, Julius Deutsch, Paula Draxler, Leopold Spira, Hermann Langbein Hans Landauer, Kurt Landau, Josef Schneeweiss, Steffi Bauer, Heinrich Dürmayer

Liedtexte:

VORWÄRTS, INTERNATIONALE BRIGADEN
Text: Erich Weinert
Musik: Carlos Palacio

Wir sind im fernen Vaterland geboren,
Tragen es in unsren Herzen mit.
Doch wir haben die Heimat nicht verloren,
Unsre Heimat liegt heute vor Madrid!
Doch wir haben die Heimat nicht verloren,
Unsre Heimat liegt heute vor Madrid!

Spaniens Brüder steh’n auf Barrikaden,
Spaniens Brüder sind Bauer und Prolet.
Vorwärts Internationale Brigaden,
Hoch die Fahne der Solidarität!
Vorwärts Internationale Brigaden,
Hoch die Fahne der Solidarität!

DIE THÄLMANN KOLONNE SPANIENS HIMMEL - FREIHEIT
Text: Karl Ernst
Musik: Paul Dessau

Spaniens Himmel breitet seine Sterne
über unsre Schützengräben aus.
Und der Morgen grüßt schon aus der Ferne,
bald geht es zum neuen Kampf hinaus.

Die Heimat ist weit,
doch wir sind bereit.
Wir kämpfen und siegen
für dich: Freiheit!

Dem Faschisten werden wir nicht weichen,
schickt er auch die Kugeln hageldicht.
Mit uns stehn Kameraden ohnegleichen,
und ein Rückwärts gibt es für uns nicht.

Die Heimat ist weit,
doch wir sind bereit.
Wir kämpfen und siegen
für dich: Freiheit!

Rührt die Trommel! Fällt die Bajonette!
Vorwärts, marsch! Der Sieg ist unser Lohn!
Mit der Freiheitsfahne brecht die Kette!
Auf zum Kampf das Thälmann-Batallion.

Die Heimat ist weit,
doch wir sind bereit.
Wir kämpfen und siegen
für dich: Freiheit!

LIED DER JARAMA FRONT
Text: David Martin
Musik: Ernst Busch

Genossen im Graben: singt alle mit!
Lasst schweigen die anderen Lieder.
Wir singen das Lied der Jarama - Front,
wo gefallen so viele Brüder.
Mit Tanks und mit Flieger: so griffen sie an!
Wir hatten nur Mut und Gewehre.
Wie viele auch fielen: an unserem Damm,
zerschellten die Legionäre.

Die Granaten sie rissen in unsere Reihn
so manche blutende Lücke.
Wir deckten die Straße, wir schützten Madrid.
Wir hielten die Arganda - Brücke.

Jetzt blüht wieder Mohn im Jarama - Tal.
Und blüht vor unseren Graben.
Wie ein blutiger Teppich bedeckt er das Land,
worin viele der besten begraben!

Aber später und immer und überall,
wenn Arbeiter sitzen beisammen,
wird erklingen das Lied der Jarama - Schlacht,
wird zum Kampfe die Herzen entflammen!

Und einmal dann, wenn die Stunde kommt,
da wir alle Gespenster verjagen.
Wird die ganze Welt zur Jarama - Front:
wie in den Februar-Tagen!

Literatur:
George Orwell: Mein Katalonien
Ernest Hemingway: Wem die Stunde schlägt
Willi Bredel: Spanischer Bürgerkrieg
Hans Magnus Enzensberger: Der kurze Sommer der Anarchie
Hans Landauer, Erich Hackl: Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936 - 1939

Film:
Luis Bunuel: Espana leal en armas
Sam Wood: For whom the bell tolls
Ken Loach: Land and Freedom

Thomas Schulz

(Quellen:
Pueblo en Armas: Bürgerkrieg und Revolution in Spanien 1936 - 1939
Willi Bredel: Spanienkrieg
www.wikipedia.at
Lieder des spanischen Bürgerkriegs)