KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

Mujeres contra el fascismo: "No Pasaran!"

"No pasaran!" - "Sie werden nicht durchkommen!"

Diese Parole aus dem spanischen Bürger(Innen)krieg, der auf den Putsch der Generäle am 17. Juli 1936 folgte, ist wohl jedem/r bekannt. Weniger bekannt dürfte vielleicht die Tatsache sein, dass sie von einer Frau stammt, nämlich von Dolores Ibarurri, genannt "La Pasionaria".

Obwohl es durch die sozialen Veränderungen zu Ausbruch des Krieges möglich war, verfestigte Strukturen aufzubrechen - die milicianas trugen Overalls, waren bewaffnet und nahmen aktiv an den Kämpfen teil - wurden die Frauen nach dem euphorischen Beginn zunehmend in traditionelle Bereiche wie Sanitätswesen, Wach- und Küchendienste zurückgedrängt. Bis zur ersten Republik hatten die Frauen in Spanien so gut wie keine Rechte besessen - sie hatten skandalös niedrige Lohne erhalten und keinerlei Interessensvertretung gehabt.

Anfang der 20er Jahre entwickelte sich eine Bewegung für Frauenrechte, erst 1931 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt, 1933 bildete sich die KP-Frauenorganisation mujeres antifascistas, 1936 die anarchistischen mujeres libres. Die erste und einzige anarchistische Gesundheitsministerin Federica Montseny legalisierte 1936 als erste Amtshandlung die Abtreibung.

Zu Beginn der Kämpfe gegen die Putschisten wurde das herkömmliche Rollenbild erschüttert: Viele Frauen und Mädchen tauschten ihr Kleid gegen den blauen Overall und kämpften in der Miliz, es wurde sogar ein Frauenbataillon "Rosa Luxemburg" aufgestellt.

Unter diesen Frauen waren "La Dinamitera" Rosario Sanchez Mora, eine sozialistische Näherin aus der Provinz Madrid, die als Bombenexpertin an der Front arbeitete und ihre rechte Hand verlor; die Kommunistin"Chico"Julia Manzanal, politische Kommissarin des Bataillons "Kommune", deren Tochter als Baby im Gefängnis starb; Mika Etchebehere, eine Argentinierin, der das Kommando über eine Kolonne der POUM übertragen wurde und die überlebte, weil sie aus dem faschistischen Spanien fliehen konnte, sowie viele andere.

Diese "Revolution in der Revolution" mutete im konservativen Spanien, in dem die Frauen jahrhundertelang unter der Diktatur von Armut, Kirche und Ehemännern gelebt hatten, besonders radikal an.

Theoretisch forderten die linken Parteien freilich eine Besserstellung der Frau, praktisch jedoch verliefen auich dort die Denkstrukturen in traditionellen Bahnen, was sich beispielsweise an der geringeren Zahl der Redebeiträge bei Versammlungen ebenso beobachten ließ wie an der Beibehaltung der unterschiedlichen Bezahlung in den Kollektiven.(!) So erhielten Männer beispielsweise im landwirtschaftlichen Kollektiv Segorbe 5 Peseten Tageslohn, alleinstehende Frauen 4, verheiratete gar nur 2 - mit der Begründung - Frauen bräuchten weniger Geld.

Letztendlich wurde vom Ministerpräsidenten Largo Caballero ein Dekret erlassen, in dem Frauen der Kampf an der Front verboten wurde, weil Frauen Arbeiten im Hinterland besser entsprächen. Die Frauen kümmerten sich in den Städten um Massenorganisationen, betrieben Propaganda, organisierten unter schwersten Bedingungen Gemeinschaftsküchen und Kinderkrippen. Viele Frauen - auch Zivilistinnen - waren unter den Opfern der Kämpfe, wurden gefangen genommen, hingerichtet oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Neben der Gesundheitsministerin Federica Montseny erreichte auch Dolores Ibarruri "La Pasionaria", Generalsekretärin der KPS, als Abgeordnete ein poltisches Mandat.

Die Forderungen der spanischen Frauen waren fortschrittlich:

Sie griffen die Unterdrückung der Frauen im Privaten ebenso an wie sie Mutterschaft als bestimmendes Element im Leben der Frau ablehnten;

sie forderten die gleichberechtigte Beteiligung der Frauen am öffentlichen Leben und an der Erwerbstätigkeit - natürlich bei gleichen Löhnen!

Auch bei den eigenen Genossen stießen sie dabei auf Unverständnis.

Emilienne Morin, Durrutis Wiwe, meinte dazu: "Die Spanier hatten nie etwas übrig für die Befreiung der Frau, nicht die Bohne! Ich kenne sie und ich sage Ihnen: Die Vorurteile, die sie störten, sind sie rasch losgeworden, aber die ihnen passten, haben sie gehütet.."Und "La Dinamitera" Rosario Sanchez Mora meint:" Wir müssen aus den Erfahrungen lernen: Wir müssen nicht nur um das Recht kämpfen, die gleiche Verantwortung zu tragen wie die Männer, sondern auch darum, die gleiche Anerkennung zu bekommen."

Wie kann es sein, dass die Forderungen der Milicianas nach 70 Jahren noch immer nicht erfüllt sind?

Wie kann es sein, dass die Aussagen dieser Frauen in Bezug auf Gesellschaft, Familie, aber auch politische - auch linke - Strukturen uns Frauen im Jahr 2006 so wohl bekannt sind?

Die Qualität einer linken Bewegung wird nicht zuletzt an der Selbverständlichkeit ihres Umgangs mit dem Feminismus, an der gleichberechtigten politischen Arbeit, den Frauen gestalten und verantworten, gemessen werden.

Für eine moderne linke Partei ist Feminismus ein MUSS - nicht umsonst heißt ein Slogan der KP-Frauen:

Feministisch - oder nicht links!

(Übrigens ist die KPÖ die einzige Partei mit einem Frauenprogramm und streng gegenderten KandidatInnenlisten.)

Dagmar Schulz

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