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"Langfristig wird's keine Arbeit mehr geben"

Arbeit und KapitalEin interessanter Artikel in der Stuttgarter Zeitung Online. Ein Ökonom aus den USA der uns nicht das ewige Wachstum bescheinigt und die Vollbeschäftigung für alle die arbeiten wollen (inklusive Verdammung aller "Arbeitsscheuen" und sonstiger "Sozialschmarotzer"), sondern der das Gegenteil erkannt hat: Die Arbeit wird weniger, die Menschen mehr. Wie man damit umgehen kann und welche Konsequenzen es hat, je nachdem wie wir uns verhalten, kann man auf der Seite der Stuttgarter Zeitung nachlesen.

(Gastkommentar von Chlodwig).

In Kurz, für jene die sich die vier Seiten nicht durchlesen wollen: Immer mehr Menschen weltweit sind von Arbeitslosigkeit "bedroht". Ebenso wie während der Industriellen Revolution nimmt heute, durch die zunehmende Automatisierung und Computerisierung der Wirtschaft, die Anzahl der Arbeitsplätze ab. Während aber die Industrielle Revolution stupide, stumpfsinnige Arbeitsplätze am Fließband geschaffen hat, eliminiert die aktuelle Entwicklung genau diese Arbeitsplätze und ersetzt sie durch entsprechende Robotik. Übrig bleibt die "geistige" Arbeit, die man (noch) nicht an Maschinen auslagern kann.

Diese Entwicklung ist zum einen eine Gefahr, zum anderen ein Segen. Was davon es ist hängt jetzt vom Menschen ab und welchen Weg die Regierungen dieser Welt einschlagen wollen.

Der aktuelle Weg führt in die Katastrophe. Weniger Menschen mit Arbeit, mehr Menschen am Tropf der Sozialhilfe, mehr Menschen im sozialen Abstieg, mehr Unzufriedenheit, mehr soziale Ausgrenzung, mehr Radikalisierung. Die Parallelen zum Deutschland der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts sind selbst durch die rosa Brille nicht mehr zu übersehen, das Ende ist bekannt.

Nur muß es so enden? Muß jedesmal, wenn wir "zu viele" werden, ein Krieg der Endpunkt sein, in dem eben hinreichend viele Menschen und hinreichend viel Erschaffenes vernichtet wird um Arbeit zu produzieren? Sind wir noch nicht so weit zu erkennen, daß es aus diesem Teufelskreis aus Bevölkerungszunahme und Krieg einen Ausweg gibt?

Wir sind heute in der Lage, hinreichend Nahrungsmittel zu produzieren um den Hunger abzuschaffen, wenn diese richtig verteilt würden. Es gibt die Notwendigkeit zum Reichtum nicht mehr. Sie wird künstlich am Leben gehalten, von Werbestrategen und der Industrie, die uns einreden wir bräuchten immer mehr materielles Gut um zufrieden zu sein. Wer sich selbst mal hinsetzt und prüft, was er zur Zufriedenheit braucht wird feststellen, daß dazu eigentlich sehr wenig notwendig ist.

Nicht nur die Arbeit wird weniger, auch die Notwendigkeit zur Arbeit verschwindet. Zumindest die Notwendigkeit etwas zu tun das einen nicht erfüllt, sondern nur dazu dient um Geld zu haben um die eigenen Grundbedürfnisse zu decken.

Sehen wir uns dazu mal die Maslowsche Bedürfnispyramide an. Auch wenn einiges davon nicht mehr ganz aktuell ist, stellt sie doch eine gute Grundlage dar. Und hypothetisieren wir mal.

Heute wird von vielen gearbeitet um nur die Grundbedürfnisse zu decken. Um Essen zu haben und eine Wohnung. Viele verbringen ein Drittel ihres Lebens damit, Arbeiten zu verrichten die sie weder befriedigen noch sehr "sinnvoll" sind, und die schon bald der Automatisierung zum Opfer fallen werden. Der Zeitpunkt, an dem von den "stumpfsinnigen" Jobs nur mehr sehr wenige überbleiben werden ist nicht fern. Und dann hat der Staat die Wahl, ob er Zustände die zum zweiten Weltkrieg geführt haben eintreten lassen oder für die Grundbedürfnisse seiner Bürger aufkommen will.

Für die Sicherheit ist der Staat zuständig und soll es auch sein. Aktuell ist die Entwicklung ja die, immer mehr Sicherheit zu privatisieren, immer mehr Sicherheitsfirmen öffnen und bald wird Sicherheit etwas sein, das man sich leisten können muß. Eine Entwicklung, die auch nicht gerade zu mehr Lebensqualität führt.

Für soziale Beziehungen ist man selbst verantwortlich, und sonderbarerweise ist es sogar in unserer im höchsten Maße materiell eingestellten Welt noch etwas, das eher nicht mit dem Besitz sondern mehr mit dem eigenen Charakter verbunden ist.

Unter'm Strich bleibt daß, wenn der Staat die Grundbedürfnisse seines Bürgers befriedigt, die unteren Stufen der Bedürfnisse abgedeckt sind. Man hat zu essen, eine Wohnung, das staatliche Versprichen daß niemand einbrechen wird und man hat Freunde.

Darüber hinaus hat jeder sehr persönliche und individuelle Bedürfnisse. Einige wollen kreativ tätig sein und uns mit Kunst erfreuen. Andere wollen forschen und uns mit neuen Entdeckungen bereichern. Wieder andere sehen ihre Erfüllung in der Weitergabe von Information und in der Lehre. Und natürlich werden viele gerne "gar nix" tun und ihr Leben mit Müßiggang verbringen wollen.

Nur stellt sich die Frage, wenn es ohnehin nicht hinreichend Arbeit geben wird und diese noch dazu nicht einfach von jedem erledigt werden kann, warum soll dies nicht funktionieren?

Die Notwendigkeit zur Arbeit gibt es bald nicht mehr. Die drei "Defizitbedürfnisse" die jeder hat sind vom Staat und von einem selbst ohne "Arbeit" zur Genüge zu erledigen. Was passiert also, wenn man dieses Defizit eliminiert?

Die erste Reaktion wird natürlich sein daß jeder sprichwörtlich alles fallen läßt und lange zurückgeschobenen Freizeitaktivitäten nachgeht. Danach wird bei vielen allerdings das Bedürfnis erwachen, "mehr" zu machen als tagelang Fußball zu spielen oder vor dem Fernseher Talkshows anzuschauen. Langeweile kann sehr enervierend sein. Schon aus eigenem Antrieb werden viele aufstehen und ihr geistiges Potential ausschöpfen. Es wird geforscht, erfunden und Kunst geschaffen werden, ganz ohne materiellem Zwang sondern aus dem Drang, selbst etwas zu erschaffen und mit dem Ziel der Selbstverwirklichung. Nicht weil die Brieftasche mahnt, sondern weil das innere Bedürfnis antreibt. Die Qualität des Geschaffenen wird eine ganz andere sein, da der Wunsch überwiegt hier etwas Dauerhaftes, etwas von Wert, zu schaffen.

Natürlich wird es viele geben, die dieses nicht empfinden sondern lieber weiterhin "nichts" tun. Nur, was wäre das Problem daran? Wem schaden sie? Alle Notwendigkeiten die man selbst hätte sind erfüllt.

Das sind, zusammenfassend, die Möglichkeiten die sich uns langfristig bieten. Entweder wir wiederholen unsere Geschichte mit allen schrecklichen Konsequenzen oder wir erkennen, daß Arbeit nicht Selbstzweck ist und die Notwendigkeit dazu verschwindet.

meint euer Chlodwig.

"Langfristig wird's keine Arbeit mehr geben"
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