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US-Behörden verhaften Außenminister Venezuelas

Unter offensichtlicher Verletzung des Völkerrechts haben die US-Behörden gestern am Flughafen von New York den Außenminister Venezuelas, Nicolás Maduro, verhaftet und anderthalb Stunden ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Die US-Behörden verlangten, das Gepäck des höchsten Diplomaten des südamerikanischen Landes zu untersuchen und verfolgten ihn offenbar unter dem Vorwand der Beteiligung an einer "terroristischen Aktion". Gemeint war der vom heutigen Präsidenten Hugo Chávez angeführte Aufstand vom 4. Februar 1992 gegen die damalige Regierung, an der sich der frühere Gewerkschaftsführer Maduro allerdings überhaupt nicht beteiligt hatte, wie Chávez selbst sagte.



"Das ist eine neue Provokation des Mister Teufel", sagte Chávez im venezolanischen Fernsehen. Die Übergriffe der US-Behörden bewiesen die Richtigkeit der Forderung nach einer Verlagerung des UNO-Sitzes in ein anderes Land, wie es Chávez wiederholt gefordert hatte. Venezuela werde am morgigen Montag bei der UNO eine offizielle Beschwerde gegen die Verletzung der diplomatischen Immunität des Ministers und gegen den Bruch der internationalen Regelungen über den UNO-Sitz einlegen. Dabei werde Venezuela durch den kubanischen Präsidenten Fidel Castro in Vertretung der Bewegung der Nichtpaktgebundenen unterstützt. Fidel war vor einer Woche von den in Havanna versammelten Ländern für die nächsten drei Jahre zum Präsidenten der Nichtpaktgebundenen gewählt worden.

Maduro hatte ohne Probleme die Kontrolle durch Metalldetektoren und Röntgenstrahlen passiert, als ihn die US-Beamten aufhielten und sein gesamten Gepäck untersuchen wollten. Der Minister zeigte seinen Diplomatenpass vor, doch die Nordamerikaner bestanden auf ihr Ansinnen. Als sich der Minister weigerte, verschleppten sie ihn in einen Raum, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, und verweigerten ihm die Kontaktaufnahme mit den anderen Mitgliedern der venezolanischen Delegation. Ein Zeuge berichtete, die US-Beamten hätten Maduro Schläge angedroht und versucht ihn zu demütigen, aber der Minister habe sich nicht provozieren lassen und seine Würde bewahrt.

Nicolás Maduro wurde nach anderthalb Stunden freigelassen und einer venezolanischen Delegation unter Leitung des Botschafters Francisco Arias Cardenas übergeben. Der Minister berichtete, er habe während seiner Gefangenschaft einen Anruf vom US-Vizeaußenminister für Lateinamerika, Tomas Shanon, erhalten, der versuchte, ihm die Ereignisse zu erklären und ihm die Entschuldigung seiner Regierung anbot. Unmittelbar nach diesem Telefonat kam aber ein Beamter des State Departments zu Maduro und bestand auf der Untersuchung des Gepäcks.

Venezuelas Vizepräsident José Vicente Rangel protestierte in scharfen Worten gegen den Angriff auf Maduro: "Das ist eine beispiellose Aggression gegen den venezolanischen Außenminister, das heißt gegen Venezuela, gegen das venezolanische Volk". Man könne des Geschehen nicht betrachten, ohne den gegenwärtigen Stand der Beziehungen zwischen den USA und Venezuela zu berücksichtigen, sagte Rangel. Der Übergriff auf Maduro sei offenbar eine Antwort auf die Rede des Präsidenten Chávez vor der UNO-Vollversammlung.

Auch der Generalkonsul Venezuelas in Chicago, Martín Sánchez, mußte an einem anderen New Yorker Flughafen eine Gepäckdurchsuchung über sich ergehen lassen, durch die er seinen Flug verpasste und erst eine Maschine drei Stunden später besteigen konnte. Auch dies ist eine klare Verletzung internationaler Abkommen.

(Quelle:RedGlobe)

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