KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

Elisabeth Gehrer war eine ausgezeichnete Unterrichtsministerin

BildungAls Gehrer diese Woche ihren Rücktritt erklärte, ging ein Aufatmen durch das Land - ENDLICH, ENDLICH, nach 11 Jahren hat diese rückständige, erzkonservative und unpopuläre Politikerin das Handtuch geworfen.

Ich behaupte dennoch: Elisabeth Gehrer war eine ausgezeichnete Politikerin.Sie hat die Interessen ihrer Partei hervorragend vertreten.

Elisabeth Gehrer war eine Parteisoldatin der ÖVP und eine enge Vertraute Wolfgang Schüssels. In dieser Funktion hat sie die Bildungspolitik vertreten, die diese Partei wünschte:

Wider besseres Wissen und Erfahrungen hält die ÖVP an der Selekttionsschule fest: Mit 10 Jahren werden bereits die Weichen gestellt - differenziertes Schulwesen nennt sich dieser Unsinn, der in ganz Europa bereits Geschichte ist. Dass sehr oft nach sozialen Kriterien selektiert wird, schert niemand. Gehrer hat diese ÖVP-Prämisse hervorragend exekutiert.

In Gehrers Amtszeit wurden die Studiengebühren trotz mehrfacher gegenteiliger Behauptungen eingeführt. Gehrer hat auch hier den Zickzackkurs der ÖVP mitgetragen und die Prügel dafür eingesteckt. Lächerlich 160 Millionen Euro - laut Grasser eine Bagatellsumme - hat dies eingebracht - in die Verbesserung des Studienbetriebs floss so gut wie nichts.

Gehrer hat auf Geheiß der ÖVP die Verkapitalisierung der Schulen initiiert - auf Schönsprech "Schulautonomie" und "Schulsponsoring"- und folgte damit nur einem allgemeinen Trend, denn wurde nicht auch die Post, die Bahn, etc. privatisiert?

Persönliche Fehler hat die Ex- Unterrichtsministerin zum Unterschied zu anderen Regierungsmitgliedern kaum begangen. Weder ließ sie sich Homepages von Lobbyisten sponsern, noch versuchte sie, persönlichen Vorteil aus ihrem Amt zu ziehen - zumindest ist nichts Derartiges bekannt. Und ihre "patscherten Sager"? Nun, ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Bonmots nicht ebenfalls die Grundmeinung der ÖVP charakterisierten, wenn sie auch in der Rustikal- Brachial-Variante vorgebracht wurden. Der Rücktritt der Person Gehrer allein ist also - leider - keine Garantie für ein besseres Schul- und Bildungswesen.

Wie hat nun die SPÖ, die in Wien ja das Sagen hat, in den letzten Jahren agiert?

Fakt ist: Innerhalb von 3 Jahren wurden 12 Prozent der LehrerInnen an den Wiener Schulen weggekürzt, etwa 850 gingen am 1. 12. 2003 in Pension - es gab keine Nachbesetzungen. Besonders stark gekürzt wurde im Bereich der ganztägigen Schulen und der Reformpädagogik. Die Eltern zahlen an vielen Schulen privat für Unverbindliche Übungen wie Sport, Theater, Sprachen. Gespart und gekürzt wurden auch Fördermaßnahmen für Lernschwache, Nichtmuttersprachliche und Kinder mit sozialen Defiziten.Bis jetzt konnte man sich auf die Sparmaßnahmen des Bundes und auf Gehrer ausreden.

Doch was kommt nach Gehrer? Niemand wird so kindisch sein und meinen, dass eine einzelne Person, so inkompetent oder arrogant sie auch gewesen sein mag, sämtliche Versäumnisse und Schäden in der Bildungspolitik der letzten 11 Jahre zu verschuldet hat. Daher sind neue Konzepte dringend notwendig - Konzepte, die sich an der Situation der SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern orientieren und allen diesen Betroffenen ein möglichst breites Mitsprachrecht einräumen. Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass Bildung Geld kostet und niemals im Sinne der Marktwirtschaft profitabel sein kann. Gute Bildung rechnet sich aber im Sinne der Nachhaltigkeit. Bildung ist keine Ware - und es geht darum, die reaktionären Bildungskonzepte der ÖVP endgültig zu überwinden.

Es bleibt zu hoffen, dass die SPÖ aus dem Bildungselend unter Gehrer die richtigen Schlüsse zieht und nicht ebenfalls eine Marionette als UnterrichtsministerIn vorschiebt, um den eigenen oder den von der ÖVP diktierten Reformunwillen zu kaschieren. Die Gefahr einer "ebenso guten" Nachfolgerin steht im Raum

meint widasch

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