KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

Die AktivistInnenpartei

Folgender Text entstand nach einer Diskussionsveranstaltungen mit befreundeten NGOs im Cafe 7Stern am 20. Jänner 2006 zum Thema AktivistInnenpartei und erschien bereits in gekürtzer Form in der Mitgliederzeitung "Argument". Der Text fasst die Ergebnisse der Diskussion zusammen und bietet damit eine gute Grundlage für weiterführende Diskussionen.


Seit dem Urteil im Novum Prozess und der damit Verbundenen schwierigen Finanzsituation für die KPÖ, sprechen wir von uns als "Partei der AktivistInnen" oder kurz "AktivistInnenpartei". Bezahlung von Arbeitskraft ist nur noch in sehr geringem Ausmaße möglich und damit ist klar, dass die Arbeit der Partei im wesentlichen von unbezahlten AktivistInnen getragen werden muss. Die Frage ist also nicht ob wir lieber ehrenamtliche oder bezahlte Arbeit wollen. Das ist durch die finanzielle Lage schon festgeschrieben, sondern wie wir das Beste aus der Situation machen. Wie gestalten wir unsere Partei so, dass sie für AktivistInnen attraktiv wir und sich diese optimal einbringen können?

Welches Problem soll gelöst werden?

Wollen wir in der Welt etwas bewegen so brauchen wir Menschen die das tun. Beschlüsse fassen in den Gremien ist zu wenig, wenn niemand da ist der die Beschlüsse umsetzen kann. Je mehr wir es schaffen die Partei für AktivistInnen attraktiv zu machen, desto mehr können wir Bewegen.

Bezahlte Mitarbeit versus AktivistInnen:

Klar ist auch, dass bezahlte MitarbeiterInnen bei gewissen Arbeiten bestimmte Vorteile hätten. Sie sicher z.B. eine gewisse Kontinuität oder können, dadurch dass sie freigestellt sind, größere Arbeiten alleine erledigen die sonst auf mehrere AktivistInnen aufgeteilt werden müssten die nur jeweils einen kleinen Teil ihre Freizeit der Partei zur Verfügung stellen können. Wird eine Arbeit auf mehrere Menschen aufgeteilt fällt zusätzlich noch Kommunikationsaufwand zur Koordinierung dieser Menschen an. Die Effizienz sinkt und wenn die Kommunikation nicht klappt, dann wird die Arbeit eventuell gar nicht erledigt, was, wenn z.B. diese Arbeit wichtiger Teil eines Gesamtprojektes ist, schlimme Folgen haben kann. etc.. etc. Das mit der AktivistInnenpartei ist also keine Einfache Sache und jedenfalls schwieriger zu Organisieren als bezahlte Arbeit in einer hierarchischen Struktur. Umgekehrt knüpften und knüpfen sich an diese Tatsache vielerorts auch die Hoffnung, dass die, mit der AktivistInnenpartei notwendigen strukturellen Veränderungen zur Öffnung der Partei und zur Entwicklung neuer demokratischer Formen, etc.., führen würden.

AktivistInnen versus gewählte Gremien. Basisdemokratie versus AktivistInnenpartei

Aus der in der AktivistInnenpartei notwendigen Einbeziehung von vielen AktivistInnen in Kommunikations- und Entscheidungsprozesse ergibt sich natürlich auch eine Demokratisierung. Diese ist dabei aber eher ein Nebenprodukt. Die AktivistInnenpartei ist nicht in erster Linie Basisdemokratie und wird sich von einer solchen auch unterscheiden. Wesentlichster Unterschied ist: In einer Basisdemokratie wird "basisdemokratisch" entschieden was zu machen wäre (wofür dann oft niemand da ist der es wirklich macht). In der AktivistInnenpartei dagegen besteht ein Freiraum für AktivistInnen die etwas machen wollen (was sich natürlich in einem demokratisch zu bestimmenden Rahmen bewegen muss). Eine Gefahr in der AktivistInnenpartei besteht darin, dass ein großer Teil der Kommunikationen informell abläuft und sich nicht demokratisch legitimierte Strukturen bilden. Jemandem der/die freiwillig Arbeitskraft zur Verfügung stellt kann man/frau schlecht vorschreiben mit wem kommuniziert werden soll. Gerade das sollte aber die AktivistInnenpartei nicht werden, da es nicht zuletzt den nicht in den informellen Zirkeln eingebundenen Menschen die Mitarbeit um so mehr verleidet. Die gewählten Gremien haben daher um so mehr darauf zu achten, dass genügend offene, transparente Kommunikationsebenen existieren. Da das Zeitbudget der Menschen ungleich verteilt ist und wenig Mitarbeit in der Partei natürlich auch daran liegen kann dass die Gesellschaft vielen Menschen einfach wenig Zeit lässt. Damit in der AktivistInnenpartei die Hierarchien der Gesellschaft nicht noch verdoppelt werden, müssen die demokratischen Gremien hier entsprechend ein greifen.

Die Grundlagen

Seit dem 33. Parteitag ist die Notwendigkeit zur Entwicklung in Richtung AktivistInnenpartei im Statut der Partei verankert. Zitat: "Wichtigste Ressource der KPÖ ist der Einsatz ihrer AktivistInnen, die im Rahmen der KPÖ Politik machen wollen. Wichtigste Aufgabe aller gewählten Leitungsgremien ist es, diesen Rahmen so zu gestalten, dass diese Aktivitäten sich optimal entfalten können." Die praktische Umsetzung diese Absatzes, ein Nachdenken darüber, was das alles in der Praxis heisst, gibt es bis jetzt nur sehr eingeschränkt und mit der fehlenden theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema fallen wir auch immer wieder auf die alten Strukturen und Ansätze zurück.

AktivistInnenpartei ist dabei natürlich nicht etwas das von oben verordnet werden kann. AktivistInnenpartei entsteht aus der Aktivität der AktivistInnen. Was die Leitungsgremien tun können ist den Rahmen so zu gestalten, dass diese Aktivitäten möglich sind und Motivation dafür geschaffen wird.

Ich möchte im folgenden die wichtigsten Fragen anreißen die sich rund um das Thema "AktivistInnenpartei" stellen ohne den Anspruch zu erheben diese vollständig Beantworten zu können. Vielmehr sollen die Fragen Anregung zur weiteren Diskussion sein. Manchen mag das alles auch relativ trivial vorkommen. Fakt ist leider, dass viele Entscheidungen und Weichenstellungen in der KPÖ getroffen werden ohne diese Dinge mit zu denken. Grundlegend für alle Überlegungen zur AktivistInnenpartei ist die Frage: Gibt es überhaupt AktivistInnen?

Gibt es überhaupt AktivistInnen?

Ein Argument, warum an den bestehenden Strukturen nicht viel zu verändern ist, dass der größte Teil der aktiven Menschen der Partei ohnehin in Leitungsgremien eingebunden ist. Aus einem solchen Blickwinkel heißt natürlich "AktivistInnenpartei" nur noch: Wie können wir uns untereinander organisieren damit die Arbeit gut aufgeteilt ist. Meine These allerdings ist: Es gibt weit mehr potentielle AktivistInnen in der Partei und deren Umfeld als viele vermuten. Ein nicht unerheblicher Teil von GenossInnen ist schon in Pension und hätte sicherlich Zeit ein oder zweimal in der Woche einen halben Tag Bürotätigkeiten zu erledigen. Manche von uns sind StudentInnen und hat damit auch noch ein gewisses Maß an Freizeit und Ferien. Mit der steigenden Arbeitslosigkeit gibt es auch eine immer höhere Zahl von Menschen die unfreiwillig für einige Monate plötzlich sehr viel Zeit haben in der sie Aktiv sein können und noch dazu meist auch besonders motiviert sind am bestehenden Gesellschaftssystem etwas zu ändern. Auch als Berufstätiger findet man/frau unter Umständen Zeit sich abends mal für eine Stunde hinzusetzen und zu einem aktuellen Thema, das gerade unter den Nägeln brennt, einen Text zu verfassen.

Die 2 Zentralen Fragen

Wenn wir also annehmen es gibt ein Potenzial an AktivistInnen dann stellen sich 2 wichtige Fragen:

  • Wie ermöglichen wir den AktivistInnen sich zu Beteiligen und
  • wie schaffen wir Motivation für die potenziellen AktivistInnen sich einzubringen?
Hilfreich bei der Beantwortung obiger Fragen ist es auch sich anderen Organisationen und Projekte anzusehen die erfolgreich und im wesentliche mit dem Einsatz freiwilliger AktivistInnen arbeiten. z.B.: Das erfolgreich Lobbying gegen Softwarepatente das, im wesentlichen, von einer Gruppe aus etwa 30 AktivistInnen aus ganz Europa getragen wurde die sich im wesentlichen via Netz organisierten. Die Produktion Freier Software ist ebenfalls ein gutes Studienobjekt, vor allem weil es sehr viele Projekte, erfolgreiche und auch weniger erfolgreiche, in diesem Bereich gibt die untersucht werden können. Ebenfalls erwähnenswert ist sicherlich die freie Enzyklopädie Wikipedia. Mehr dazu: Die Produktion Freier Software als Beispiel für Kooperation statt kapitalistischer Konkurrenz

Die Tatsache, dass unsere jetzigen AktivistInnen im wesentlichen mit den,in Leitungsgremien eingebundenen, Menschen zusammenfällt zeigt wohl eher dass damit Beteiligungsmöglichkeiten und Motivation verbunden sind.

Was ermöglicht Menschen sich als AktivistInnen einzubringen? Was sind die Barrieren die es zu beseitigen gilt?

Die freie Zeit der AktivistInnen ist i.a. sehr beschränkt. Nicht jede/r kann 2 mal pro Woche zu Sitzungen kommen. Besonders auch dort wo es einer längerer Anreise bedürfte. Von 5 auf einer Sitzung besprochenen Themen interessiert sich jede/r vielleicht für eines oder zwei speziell. Es gilt also Kommunikationsformen zu finden die es AktivistInnen ermöglichen sich speziell in einzelne Themen !einzuklinken. Arbeitsgruppen, Mailinglisten, Wikis, etc.. können hier hilfreich sein. Die elektronischen Medien bieten heute einen extrem bequemen und im Vergleich zum Zeitaufwand für physische Treffen sehr kostengünstigen Zugang an. Dennoch heißt das nicht, dass wir ausschließlich elektronisch kommunizieren sollten: Physische Treffen von Arbeitskreisen, Gremien, und Grundorganisationen und Mitgliederzeitungen, etc.., sollten die elektronische Kommunikation ergänzen.

Viele Arbeiten benötigen ein gewisses Know How. Wo finde ich Infrastruktur für mein Projekt? Wer kann mit womit behilflich sein? Welche Termine eignen sich für welche Aktionen. etc.. Ein Know-How das in traditionellen Parteien in den Köpfen der FunktionärInnen vorhanden war und das jetzt wo deren Arbeit von AktivistInnen erledigt werden muss, diesen zur Verfügung stehen muss. Was in der Freien Software der "Offene Sourcecode" ist ist in der Welt der AktivistInnenpartei der offene Zugang zu Know-How. Ein Wiki für AktivistInnen in dem das notwendige Know-How gesammelt wird und von diesen ständig ergänzt werden wäre für diese Aufgabe geeignet. Das Äquivalent zu "Closed Source" wäre z.B. ein zentrales AktivistInnen Register auf das nur ein kleiner Leitungszirkel Zugriff hat.

Die Dokumentation, also das systematische Sammeln von Know-How, ist auch in den Bereichen bezahlter Arbeit notwendig, sobald mehr als eine Person an einem Bereich arbeitet. (So werden z.B. interne Wikis auch im kommerziellen Umfeld zur Dokumentation eingesetzt.). Aus der Sicht der AktivistInnenpartei sind sie um so wichtiger, da mit der geringen verfügbaren Zeit einzelner AktivistInnen das aufteilen der Arbeit früher notwendig wird und mit der höheren Fluktuation von AktivistInnen die Dokumentation für die Kontinuität der Arbeit wichtiger ist.

"Wissens ist Macht" und in hierarchischen Organisationen haben die Mensch gelernt, dass die Weitergabe von Wissen ein Machtfaktor ist:

Der unentbehrliche Beamte:

Von einem Beamten, der schon ziemlich lange in seinem Amt saß, hörte Herr K. rühmenderweise, er sei unentbehrlich, ein so guter Beamter sei er. "Wieso ist er unentbehrlich?" fragte Herr K. ärgerlich. "Das Amt liefe nicht ohne ihn", sagten seine Lober."Wie kann er da ein guter Beamter sein, wenn das Amt nicht ohne ihn liefe?" sagte Herr K., "er hat Zeit genug gehabt, sein Amt so weit zu ordnen, daß er entbehrlich ist. Womit beschäftigt er sich eigentlich? Ich will es euch sagen: mit Erpressung!"
---Bertolt Brecht.

Der relative Freie Zugang zu Information ist also auch eine Sache die immer wieder neu erkämpft werden muss und setzt eine Kultur voraus in der dies Offenheit als Stärke erkannt wurde. Zusätzlich schwierig wir das durch ein clandestines Element: wenn Informationen nicht Vorzeitig an politische GegnerInnen gelangen sollen. Hier sollte auf elektronische Kommunikation in Zeiten steigender Überwachung generell verzichtet werden. Verschlüsselung würde hier nur bedingt für Abhilfe sorgen, solange die Sicherheit der Endgeräte (PCs) nicht gewährleistet werden kann. (Wie sie von GenossInnen zu Hause noch oft benützten werden).

Kommunikationstechniken. Der Umgang mit diesen Medien muss allerdings ebenfalls gelernt werden. Dabei geht es aber nicht nur um die rein technische Bedienung sondern auch um das "Kulturelle Wissen" im Umgang mit den neuen Medien. Wie verhalte ich mich auf einer Mailingliste? Wozu kann ein Wiki nützlich sein? Wie kann ich eine Resolution oder einen anderen Text kooperativ, mit Anderen gemeinsam, entwerfen? etc..etc..

Nicht alle potentiellen AktivistInnen sind "Online". Die Frage stellt sich damit wie auch diese optimal Eingebunden werden können. Damit auch die Frage welche Rolle "offline" Medien (z.B. Mitgliederzeitungen) spielen können wie physische Meetings und Grundorganisationen (Basisgruppen) optimal in eine Partei eingebunden werden können dessen Rückgrad zu einem hohen Masse auf elektronischer Kommunikation fusst. Soziale Kontakte sind ja auch ein Punkt der Motivation und funktionieren "Face 2 Face" besser als rein virtuell.....

Ein wichtige "Hürde" ist wohl die eigene Bequemlichkeit. Gerne würden man/frau sich hier und da beteiligen, aber wenn diese Beteiligung erst einen hohen initialen Arbeitsaufwand benötigt dann wird sie meist nicht stattfinden. Wichtig ist daher die niedrige Einstiegsbarriere: Die Mitarbeit soll ohne langfristige, bürkoratische Anmeldungsprozedur möglich sein. "At your Fingertips" sozusagen. Zweiweg- statt Einwegkommunikation. z.B.: Wikipedia erlaubt das Ändern von Artikeln ohne vorherhige Anmeldung ganz bewusst um die Einstiegshürde möglichst gering zu halten. Was motiviert Menschen sich in Projekte einzubringen?

1. "scratch an itch". Die Sache an sich. Was die "Sache an sich" ist, ist natürlich von Organisation zu Organisation und möglicherweise auch von Projekt zu Projekt unterschiedlich. z.B: Wer der der KPÖ Beitritt will die Welt verändern, den Kapitalismus überwinden oder zumindest gegen eine Auswirkung des Kapitalismus, wie Krieg, Armut, Hunger, Unterdrückung oder Ausbeutung kämpfen.

2. "Ego gratification" und soziale Kontakte. Menschen tun etwas worauf sie stolz sein können. Wofür sie vor sich selbst und vor anderen Anerkennung bekommen. Freiwillige Mitarbeit heißt ja nicht umsonst auch "Ehrenamt". Auch wenn es uns im wesentlichen um "die Sache ansich" gehen sollte, dürfen wir diesen Punkt nicht ganz außer acht lassen. Für Einsatz und gute Arbeit dürfen wir ruhig auch einmal Lob aussprechen. Alleine schon den anderen zuzuhören und ihre Standpunkte ernst zu nehmen ist eine Form der Anerkennung, selbst wenn man/frau dann anderer Meinung ist.

3. Kreativität ausleben. Sich einbringen zu können, erfinden, entwickeln und mitgestalten zu können, ist für viele Menschen ein Bedürfnis.

4. Identifikation mit der Organisation. Ein Moment dass bei Parteien (aber auch bei manchen NGOs) eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielt. Menschen identifizieren sich stark mit der Organisation. Auch wenn sich zum Teil die Menschen die auf diese Weise motiviert sind am intensivsten Einbringen, ist dieses Moment für Überlegungen zur AktivistInnenpartei nicht unbedingt besonders relevant, da es sich kaum organisatorisch planen lässt und auch andere Nachteile mit sich bringt.

Was ist daraus zu lernen?

Die Partei muss hier also vermitteln können, dass der Kampf um die Sache im Rahmen der KPÖ möglich ist und sich das Engagement lohnt. Dass innerhalb der Partei effizienter gekämpft werden kann als anderswo. (siehe Punkt 1) Dass die AktivistInnen ihre Zeit und Kraft in der Partie besser entfalten können als anderswo. Bei uns gibt es "Mehr Revolution um weniger Geld/Zeit". Um motivierend zu wirken sollten die Ziele der Projekte sollten dabei einerseits realistische genug sein, damit die Menschen die sich einbringen ein Projekt auch als machbar einschätzen und es nicht als vergeudete Zeit betrachten dabei mitzuarbeiten, andererseits auch "ehrgeizig" genug um motivierend zu wirken. Menschen arbeiten oft lieber an "wichtigen" und "großen" Projekten. Das ist einerseits einem Effizienzdenken geschuldet: "Wenn ich mich schon einbringe, dann doch für etwas, wofür es sich auch wirklich lohnt." Andererseits spielt hier auch die Komponente "Soziale Anerkennung" eine Rolle. Etwas tun worauf ich vor mir und vor anderen "stolz sein" kann. (siehe auch Punkt 2). Ideal in dieser Hinsicht sind wohl Projekte die realistische Teilziele haben aber auch größere Fernziele anpeilen.

Um die Kreativität ansprechen zu können müssen Projekte so formuliert sein, dass sie möglichst viel Spielraum für Kreativität mit eingeplant haben. Aber auch das Entwickeln völlig neuer, eigener Projekte ist ein kreativer Akt muss ohne große Barrieren möglich sein. Die Aufgabenteilung zwischen gewählten Gremien, AktivistInnen und freigestellten MitarbeiterInnen. Wie schon eingangs erwähnt spielt die Aufgabenteilung zwischen Gremien, bezahlten MitarbeiterInnen und AktivistInnen eine entscheidende Rolle (Wobei natürlich einzelne Personen in mehr als eine dieser Rollen fallen können). In dem hier entwickelten Bild ergäben sich folgende Anforderungen an diese 3 Elemente:

Gremien

Gremien sollten bemüht sein den Rahmen zu schaffen in dem sich AktivistInnen entfallten können. Das betrifft das Öffnen dieses Rahmens (etwa dass notwendige Infrastruktur bereitsteht oder Arbeitsgruppen eingerichtet werden, etc..) aber unter Umständen auch die Beschränkung dieses Rahmens auf den demokratisch legitimierten Bereich. Informellen Strukturen entgegen arbeiten und Transparenz herstellen. In Bereichen die in demokratischen Entscheidungen für wichtig erachtet wurden aber zu denen sich wenig Aktivität von AktivistInnen findet diese Bereiche speziell fördern. (Möglichst nicht in dem die Arbeit dort nur selbst erledigt wird sondern möglichst in dem dort intensiver versucht werden muss AktivistInnen zu fördern.).

Freigestellte MitarbeiterInnen

Wenn nur sehr wenig Resourcen zur Bezahlung von Arbeitskraft vorhanden sind müssen diese umso genauer geplant werden. Bezahlte Mitarbeit macht dort Sinn wo für wichtige Aufgaben sich keine freiwilligen AktivistInnen finden lassen. Für bezahlte MitarbeiterInnen wird die Arbeit übrig bleiben die sonst niemand machen will oder kann. Das setzt eine genaue Nachforschung und intensives Bemühen darum voraus ob sich nicht freiwillige AktivistInnen finden die die Aufgabe erledigen können und wollen. Auch ein Nachdenken darüber ob nicht erst Bedingungen geschaffen werden müssen in denen die Aufteilung der Arbeit auf mehrere AktivistInnen möglich ist. Daraus wird ein Anforderungsprofil entstehen, das festschreibt welche Arbeiten wir von bezahlten MitarbeiterInnen benötigen, aufgrund dessen dann Personen gesucht werden können die diese Profile ausfüllen können. Da sich die Lebensumstände und die Zusammensetzung der potentiellen AktivistInnen laufend ändern ist es natürlich notwendig das Profil in regelmäßigen Abständen zu erneuern. Eine Rotation der bezahlten MitarbeiterInnen macht unter Umständen Sinn: So wird vermieden dass sich zu viel Know-How konzentriert und es notwendig, dass auch das Wissen der bezahlten MitarbeiterInnen dokumentiert wird - was eine spätere Einbeziehung freiwilliger AktivistInnen wieder erleichtert. Da die wichtigste Aufgabe in der AktivistInnenpartei die Bereitstellung von Rahmenbedingung für die AktivistInnen ist, werden wohl auch viele der Anforderungen im Profil auf diesen Punkt abzielen müssen. Bezahlte MitarbeiterInnen werden also oft "Service" für die AktivistInnen bieten müssen. Es ist damit, auch aus diesem Grunde, sinnvoll dass Bezahlte MitarbeiterInnen in einem möglichst breiten Gremium (Parteitag, Landeskonferenz) direkt beschlossen und regelmäßig bestätigt werden. Damit ist gewährleistet, dass die bezahlten MitarbeiterInnen vor allem den AktivistInnen gegenüber loyal sind.

AktivistInnen

Neben der eigentlichen "Aktivität" der AktivistInnen tragen diese natürlich ebenso Verantwortung für die Struktur in der sie arbeiten. Auch sie sollten die organisatorische Komponente immer mitdenken. Was einem selbst betrifft, das betrifft potenziell auch andere AktivistInnen. Die Transparenz die notwendig ist um sich einzubringen muss aktiv Eingefordert werden und natürlich auch selbst erbrach werden. Wissen im Wiki abzulegen ist keine Aufgabe der gewählten Leitungen alleine sondern gerader derer die dieses Wissen haben und jede/r AktivistIn hat einen Teil davon und ist für diesen auch Verantwortlich. Aus einer "Partei für AktivistInnen" muss eine "Partei der AktivistInnen" werden.

Partei und Pluralismus

Oder was macht denn jetzt noch die "Partei" in der "AktivistInnenpartei" aus? Wird das ganze nur noch eine lose Sammlung von Projekten bei denen AktivistInnen die Infrastruktur der Partei benutzen?

"Das Verstehen der Vielfalt revolutionärer Ansätze bestimmt nicht nur unser Verhältnis zu anderen Kräften, sondern auch die innerorganisatorischen Beziehungen. [..] Die KPÖ kann sich nur als eine marxistische Partei der Vielfalt, in der die Politik frei und demokratisch diskutiert und beschlossen wird, entwickeln." (aus dem am 33. Parteitag Beschlossenen politischen Plattform der KPÖ).

Der pluralistische Ansatz in unserem Parteiverständnis bildet einen guten Rahmen in dem verschiedene Projekte, auch mit unterschiedlicher Ausrichtung, nebeneinander in unserer Partei bestehen können. Das "Inbeziehungsetzen" verschiedenster Kämpfe im Rahmen unserer Partei ist gerade das was die Partei ausmacht. Aber "Inbeziehungsetzen" lässt sich nur was auch stattfindet. Die AktivistInnenpartei ist daher der organisatorische Aspekt dessen was eine pluralistische Partei ausmacht.

Neue Formen der Kooperation finden

Der Status-quo: Jemand (meist auch tatsächlich ein Mann) schreibt ein Papier. Dann wird das der Partei vorgelegt. Der eine oder andere Beistrich wird hinein-reklamiert und das war es in den meisten Fällen. Damit eine größere Zahl von AktivistInnen sinnvoll gemeinsam an einem Papier arbeiten können sind neue Formen der Zusammenarbeit notwendig. Die Arbeit in der Entwicklung des Papiers müsste in mehrere Phasen eingeteilt werden. Zuerst werden gemeinsam Punkte gesammelt die Antwort auf die Frage geben, was mit dem Text erreicht werden soll. Danach das selbe auf die Frage wie dies zu erreichen soll, bis letztlich an die Ausformulierung von Absätzen gegangen wird. An den Stellen an denen sich widersprechende Anforderungen abgewogen und andere nach Prioritäten geordnet werden können die demokratisch gewählten Gremien wirksam werden, an den stellen wo es um die Sammlung von Input geht sind alle AktivistInnen gefragt.

Resümee und Ausblick

AktivistInnenpartei sollte kein leeres Schlagwort bleiben. So wie unser Statut es fordert sollte bei allen Entscheidungen mit gedacht werden wie sich das auf AktivistInnen auswirkt. Ob es mehr Mitarbeit dieser ermöglicht und motiviert. Die hier vorgebrachten Überlegungen können erste Anregungen sein darüber nachzudenken was das ausmachen kann. Klar ist jedenfalls dass es viele Andockmöglichkeiten braucht. Wir müssen funktionierende Arbeitsgruppen aufbauen und brauchen offene Kommunikationsstrukturen. Aktivitäten werden sich oft ihm Rahmen von Projekten abspielen. Wir brauchen Überlegungen wie diese im Sinne der AktivistInnenpartei möglichst offen sind.

Franz Schäfer, Jänner 2006.