KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

"Ich geb dir einen Mantel, dass du ihn noch in Freiheit tragen kannst"

Antonia Bruha, Widerstandskämpferin und ehrenamtliche Mitarbeiterin des DÖW,starb am 27. Dezember 2006 im Alter von 91 Jahren.

Antonia Bruha, eine Widerstandskämpferin aus der Tschechischen Sektion der KPÖ, produzierte in Erdberg Flugschriften mittels eines primitiven Abziehapparates und veröffentlichte Rundfunknachrichten ausländischer Sender. Auch war sie gemeinsam mit ihrer Mutter, die gebürtige Tschechin war, für die Verbreitung und Verteilung der bereits 1934 verbotenen tschechischen Arbeiterzeitung im Raum Wien verantwortlich und beteiligte sich an der Planung von Sabotageakten. Sie wurde Mitte Oktober 1941, kurz nach der Geburt ihrer Tochter, wegen "staatsfeindlicher Betätigung" verhaftet und im September 1942 in das KZ Ravensbrück überstellt, wo sie bis zur Befreiung Ende April 1945 in Haft blieb.
Nach Kriegsende engagierte sie sich in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück. Im DÖW betreute sie die Sammlung Frauen-KZ Ravensbrück, die dem DÖW von der Lagergemeinschaft Ravensbrück zur Verfügung gestellt wurde. Solange es ihre Gesundheit erlaubte, ging Antonia Bruha als unermüdliche Zeitzeugin in die Schulen. Ihre nach der Befreiung aufgeschriebenen Erinnerungen an die Haft in Wien und Ravensbrück veröffentlichte sie 1984 unter dem Titel "Ich war keine Heldin (Neuauflage 1995).


Schon Mitte der 30er-Jahre schmuggelte die gelernte Frisörin und Schönheitspflegerin Flugblätter und Zeitungen. "Wir fuhren mit dem Fahrrad nach Preßburg und wieder zurück. Auf der einen Lenkstange hatte ich die Arbeiterzeitung – die in Preßburg gedruckt wurde –, auf der anderen kommunistische Flugblätter." Antonia Bruha hat Flugschriften geschrieben, sich dann an Sabotage-Akten beteiligt – "ohne Menschen verletzen zu wollen". Schon schwanger, holte sie aus einer Fabrik herausgeschmuggelte Chemikalien, führte sie mit dem Fahrrad durch halb Wien. In der Lobau sprengte die Gruppe zehn Wehrmachtsdepots, wo Uniformen, Waffen und Lebensmittel gelagert wurden, in die Luft. "Dafür bin ich zum Tode verurteilt worden", erzählt Bruha. Ein Gestapo-Spitzel verriet die Widerstandskämpfer. 69 Menschen bezahlten dies kurz darauf mit ihrem Leben. Sie wurden erschossen oder geköpft. Als Antonia Bruha im Herbst 1941 verhaftet wurde, war ihre Tochter drei Monate alt. Nach einem Jahr Haft in der Rossauer Kaserne wurde Bruha nach Ravensbrück verlegt - in ihrem Papieren stand die Bemerkung "RU - Rückkehr unerwünscht".
Mit Hilfe einer Wienerin, die in der Kanzlei arbeitete, wurde sie in Rosa Jochmanns Block verlegt und war in den Krankenbaracken tätig. Dort hörte sie die Polinnen, die operiert wurden, sah die Roma-Mädchen und die Säuglinge, für die eine eigene Abteilung eingerichtet wurde. Die Kinder lagen auf Stroh, hatten keine Milch. 500 sind verhungert, erfroren, an Schwäche gestorben.

"Und ich seh diese Haufen von Toten, bis heute hab ich das nicht verkraftet.....Für mich war die erste Zeit im Revier derartig belastend, dass ich mir oft gedacht hab, wär ich doch lieber bei der Schwerarbeit gegblieben. Seelisch hab ich das nicht verwunden.....Jahre ist das schon her, und ich träume noch immer davon und schreie in der Nacht." berichtet Antonia Bruha in "Ich geb dir einen Mantel, dass du ihn noch in Freiheit tragen kannst" (ProMedia-Verlag, 1987). "Als einmal ein ganzer Block Zigeunerinnen vor dem Revier gestanden ist, bemerke ich hinten ein paar ganz junge Mädchen. Zu ihnen habe ich gesagt: Laufts zurück! Versteckts euch! Und nach dem Krieg, 47 oder 48 hab ich eine von denen mit ihrem Kind wiedergetroffen, in der Straßenbahn..."

Ich selber habe Antonia Bruha nicht nur im DÖW - anlässlich meiner dort betriebenen Studien -, sondern auch als Zeitzeugin im Rahmen der Veranstaltungen um "A Letter to the Stars" 2003 am Heldenplatz kennen gelernt und war von ihrem Kampfgeist und Optimismus stark berührt.

(Dagmar Schulz)

Die Verabschiedung von Antonia Bruha fand am Montag, dem 8. Jänner 2007 unter Anteilnahme vieler FreundInnen und GenossInnen in einer schlichten Feier in der Feuerhalle der Stadt Wien-Simmering statt.

Über Frauen im Widerstand, die wie Antonia Bruha gegen den Faschismus kämpften:

Buchtipps:

"Ich geb dir einen Mantel, dass du ihn noch in Freiheit tragen kannst."
Widerstehen im KZ - Österreichische Frauen erzählen
promedia, Wien 1987.

"Aus der dunklen in eine helle Zeit"
Frauengeschichten aus den Aufbaujahren.
echomedia-Verlag, Wien 2005.

Ich war keine Heldin;
Antonia Bruha
Europa Verlag; Auflage: Neuaufl. (1995)

Der Himmel is blau. Kann sein.
promedia, 1985.

Erinnerungen an den Widerstand;
Margarete Schütte- Lihotzky
Das kämpferische Leben einer Architektin von 1938- 1945
promedia, 1994.

Filmtipp:

Vom Leben und Überleben; A 2003.

Küchengespräche mit Rebellinnen; Österreich 1984.

Weiterführende Links

"Ich geb dir einen Mantel, dass du ihn noch in Freiheit tragen kannst"
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