KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

Eine Bankerin als Bildungsministerin?

BildungClaudia Schmied, Bankvorstand der Kommunalkredit Austria AG, wird das Bildungsministerium (ohne Wissenschaft), dafür mit Kunstagenden, um die sich ein Staatssekretär kümmern wird, übernehmen.

Sie ist noch niemals als Bildungsexpertin in Erscheinung getreten. obwohl sie an der Wirtschaftsuniversität eine Vorlesung über die "Literatur in der Wirtschaft" hielt und hat zum Thema Bildung nicht publiziert.Auch ihre politische Erfahrung hält sich mit 2 Jahren BeraterInnentätigkeit im Team von Ex-Finanzminister Edlinger eher in Grenzen.

Nun muss man/frau sich fragen: Was muss ein/e MinisterIn eigentlich wirklich können? Geht es in erster Linie um Fachkenntnis? (Wohl nicht.) Um politische Visionen? (In diesem Fall ist eine Bankerin als Bildungsministerin sicherlich das falsche Signal.) Ist Pragmatismus in der Administration der ausschlaggebende Faktor? Oder muss man/frau schlicht und einfach Gusenbauer in der Schule oder in der SJ gekannt haben?

Denn leider gibt bereits das erste Interview der neuen Ministerin im Ö1 Abendjournal nicht zu großen Hoffnungen Anlass- im Gegenteil, die darin getätigten Aussagen können nur als nur als Provokation verstanden werden:

Sinngemäß meinte sie, eigene Erlebnisse und Berichte von Bekannten würden den mangelnden Einblick in den Schulbetrieb ersetzen. Dies ist aber genau jener Dilettantismus, an dem der Schulbetrieb seit langem krankt. Jeder und jede meinen aus der Tatsache des eigenen (meist jahrelang zurückliegendem) Schulbesuch die Grundlage für das ExpertInnentum ableiten zu können. Geschichten und "Geschichterln" aus dem Bekanntenkreis runden dieses "InsiderInnenwissen" zu einem Sammelsurium an Mythen und anderen nur mehr tiefenpsychologisch deutbaren Ergebnissen ab, die eine echte gesellschaftspolitische Analyse des Schulsystems bisher erfolgreich verhindert haben...

Oder mit anderen Worten: Bei allen Reformen, Reförmchen und Reförmerchen hatten so viele Leute mitzureden, die von der tatsächlichen Situation an den Schulen keine Ahnung haben - mit dem Erfolg, dass die Verunsicherung der im Bildungssystem Beschäftigten groß, die Administration extrem aufgebläht und der Handlungsbedarf brennend sind.

Die Berufung der Bankfachfrau als Ministerin erscheint daher rein parteipolitisch begründet und ein weiterer symbolischer Schritt, Bildung und Schule als Ware zu verstehen, was von der KPÖ Wien kategorisch abgelehnt wird.

In Sachfragen ging die SPÖ übrigens nicht nur in die Knie, sondern bejubelt das Ergebnis noch als den großen Wurf. Obwohl internationale Vergleiche die Gesamtschule der bis 14jährigen als das eindeutig bessere Modell ausweisen, wird diese nicht eingeführt,es bleibt bei einzelnen Schulversuchen. ( Vielleicht auch ein Grund, warum die ahnungslose Schmied dem lästigen Haider vorgezogen wurde?) Die KlassenschülerInnenhöchstzahl wird auf 25 Kinder als "Richtzahl" festgelegt. Was das genau bedeutet, weiß niemand. Das verpflichtende Vorschuljahr wird zum freiwilligen "Schuleingangsjahr".

Wie dadurch die Krise der Mittelstufe behoben sowie das österreichische Schulsystem endlich mit neuen Konzepten reformiert werden soll, können sich viele LehrerInnen , die täglich mit den Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten desselben zu kämpfen haben, nicht vorstellen.

Ob der provinziell-konservativen Gehrer-Epoche nun eine neoliberale Schmied - Zeit nachfolgt?

Eines ist jedoch klar: Es besteht dringender Handlungsbedarf, das in den Händen der ÖVP stark vernachlässigte Bildungsressort endlich im Sinne der handelnden Personen, nämlich der SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern an die geänderte Lebenssituationen und Bedürfnisse anzupassen (Migration, Mehrsprachigkeit, Alleinerziehende, berufstätige Eltern, Probleme im urbanen und ländlichen Umfeld, Reizüberflutung, Medienhype), zusätzliche Ressourcen zu erschließen und den kostenlosen Zugang zu bester Bildung für alle zu ermöglichen.

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