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Die Überheblichkeit des Papstes

Wieder einmal ist es Benedikt XVI. und mit ihm der katholischen Kirche gelungen, vor der Realität die Augen zu verschließen.
Bereits bei einem Treffen mit Jugendlichen im Fußballstadion von Sao Paulo hatte der deutsche Kirchenführer Keuschheit und eheliche Treue zum Hauptthema gemacht. Der Papst machte den Jugendlichen klar, dass das Gebot der sexuellen Enthaltsamkeit auch "für die Zeit der Verliebtheit und der Verlobung" gelte: "Das eheliche Zusammensein (...) ist verheirateten Paaren vorbehalten."



Schon im Vorfeld seiner Reise sorgte der Papst mit seinen scharfen Worten zum Thema Abtreibung für einen großen Wirbel in Brasilien. Der brasilianische Gesundheitsminister Jose Temporao meinte: "Man darf nicht einer ganzen Gesellschaft Dogmen und Gebote einer bestimmten Religion aufzwingen wollen." Vielmehr sollte man in Sachen Abtreibung in erster Linie hören, was Frauen zu sagen hätten.
Daraufhin drohte Benedikt XVI. PolitikerInnen, die Gesetze zur Legalisierung von Schwangerschaftsunterbrechungen unterstützen mit dem Ausschluss aus der Kirche!

Bei einem Treffen mit Bischöfen verlor der Papst aber jeglichen Bezug zur Realität!

Dort tat er Kund, dass das Christentum den indigenen Völkern Lateinamerikas nicht auferlegt , sondern von ihnen herbeigesehnt wurde und sie erlöst habe!
Er ignorierte, dass im Zuge der von der katholischen Kirche unterstützten Kolonialisierung Indigenas und Indigenos millionenfach versklavt, ermordet und getötet wurden .
Selbst seinem Vorgänger, dem erzreaktionären Papst Johannes Paul II. ist bei seinem Besuch 1992 eine Entschuldigung für die Rolle,die die europäischen Christen bei der blutigen Eroberung Amerikas gespielt hatten, über die Lippen gekommen.

Jecinaldo Satere Mawe, Leiter des Amazonas-Stammes Coiab meinte dazu: "Es ist arrogant und respektlos, unser kulturelles Erbe als zweitrangig zu bewerten."
Sandro Tuxa wies als Koordinator der nordöstlichen Stämme die Worte des Papstes zurück. "Zu sagen, dass die kulturelle Dezimierung unserer Volkes eine Reinigung darstellt, ist beleidigend und - offen gesagt – beängstigend."

Kritik kam aber nicht nur aus Brasilien. Sprecher indigener Völker aus ganz Lateinamerika brachten ihr Entsetzen über diese Aussagen zum Ausdruck.

"Seine Äußerungen sind lächerlich", erklärte Roberto Olivares, Vorsitzender eines Interessenverbandes der Indigenen im mexikanischen Oaxaca.
Nicht anzuerkennen, dass die Einführung des Katholizismus ein Mechanismus zur Dominierung der indigenen Bevölkerung gewesen sei, sei eine Verschleierung der Geschichte, kritisierte der Direktor der Organisation der indigenen Völker Kolumbiens (ONIC), Luis Evelis Andrade. Er erklärte weiters "Wir können es nicht akzeptieren, dass die Kirche ihre Verantwortung für die Vernichtung unserer Kultur und unserer Identität nicht anerkennt."

Der aus Vorarlberg stammende und in Brasilien lebende Bischof Erwin Kräutler, meinte am Anfang der Reise des Papstes nach Brasilien, dass Benedikt XVI als Hörender, als nicht Verurteilender und als Zeichen Setzender kommen würde!
Gekommen ist er als überheblicher und ignoranter Kirchenfürst, der trotz vieler Versprechungen genauso taub ist, wie viele seiner Vorgänger!

Thomas Schulz

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