KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

Wo am Profit Blut klebt

Ausverkauf! Sale! Billig! Billigst!

Seit der Zeitrahmen für den Ausverkauf im Textilhandel gefallen ist, gibt es das ganze Jahr über "Schnäppchen". Kleidungsstücke werden zu Dumpingpreisen angeboten. Da sollte man/frau sich vielleicht überlegen, woher diese Sonderangebote stammen und unter welchen Bedingungen sie erzeugt werden.
Weltweit sind 75 % der Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie weiblich. Frauen arbeiten in Exportzonen, in Sweatshops, aber auch zu Hause und nähen für große Bekleidungsvertriebe und Marken. Sie nehmen ein großes Risiko auf sich: Nicht nur, dass ihr Lohn kaum ausreicht, um sich und ihre Familien zu erhalten, fehlen auch internationale Arbeitsstandards. Lange Arbeitszeiten, unmenschliche Bedingungen, temporäre Verträge,fehlende Sicherheitsvorkehrungen in Produktionsstätten, sexuelle Übergriffe und das Fehlen von Absicherung gegen Entlassungen sind nur einige Punkte der langen Liste der Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte. Durch Gewerkschaftsverbote sind Frauen den Betreibern dieser Bekleidungsbetriebe ausgeliefert, bei Entlassung rückt die nächste Arbeiterin nach- eine von den unzähligen, die Arbeit suchen und keine andere Wahl haben, als diese Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, um ihre Familie zu ernähren. Die meisten Frauen haben kein Recht auf Kranken- oder Mutterschaftsfreistellung, oder Gesundheits- und Arbeitslosenleistungen. Statt zu einer langfristigen Entwicklung beizutragen, bringt dieser Handel für Millionen von Frauen zusätzliche Unsicherheit und Verwundbarkeit.

Beispiel Bangladesh

In Bangladesh wurde im Jahr 2005 eine Textilfirma im Besitz der öffentlichen Hand in einer Nacht- und Nebelaktion auf Geheiß der Weltbank geschlossen. 13.000 Menschen standen praktisch über Nacht ohne Arbeit und ohne Einkommen da. Bangladesh ist ein armes Land, von den 146 Millionen EinwohnerInnen sind nur ca. 58 Millionen erwerbstätig.Etwa 6,5 Mio. Kinder arbeiten unter unwürdigsten Bedingungen. Da die - noch - billigere Arbeit der Frauen und Kinder vorgezogen wird, ist die Arbeitslosigkeit unter erwachsenen Männern hoch. Arbeitszeiten von 8 bis 20 Uhr sind die Regel, der Lohn dafür beträgt 10 bis 15 Dollar/Monat. Die monatliche Miete für ein Haus in den Slums der Hauptstadt Dhaka beträgt rd. 20 Dollar.

Die Arbeitsbedingungen sind hart, die Sicherheitsvorkehrungen ungenügend: Am 11. April 2005 stürzte die Textilfabrik Spectrum in Savarwegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen und Nichteinhaltung der Bauvorschriften in sich zusammen. 64 ArbeiterInnen kamen ums Leben, 80 wurden verletzt. Erst am 1. April 2007 wurde mit den Zahlungen aus dem Entschädigungsfonds an die Opfer begonnen.
1995 wurde das letzte Mal ein gesetzlicher Mindestlohn festgesetzt. Reis und Gemüse sind seit damals sechsmal teurer geworden. 2006 war es für tausende TextilarbeiterInnen genug: Wochenlang demonstrierten sie für einen höheren Mindestlohn und bessere Sicherheitsstandards. Bei Polizeieinsätzen wurden zahlreiche ArbeiterInnen getötet. Nichts davon wurde in Österreich berichtet.

Beispiel Kambodscha

Die Textilindustrie Kambodschas beschäftigt etwa 320 000 ArbeiterInnen in etwa 340 Fabriken. Diese wurden 1990 privatisiert und gehören nun vor allem ausländischen Investoren, die für Firmen wie H&M, Zara, GAP und Walmart arbeiten. Für 12 Stunden tägliche Arbeit verdienen die Frauen 62€/Monat. Nur mit täglichen Überstunden können sie mit diesem Lohn überleben. 30 % der Erzeugnisse werden in der EU verkauft.

Gewerkschaftsarbeit ist unerwünscht und lebensgefährlich

In den letzten drei Jahren bezahlten in Kambodscha drei Gewerkschaftsfunktionäre ihren Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie mit ihrem Leben. Chea Vichea, Präsident der unabhängigen Gewerkschaft des Königreichs Kambodscha (Free Trade Union of the Workers of the Kingdom of Cambodia FTUWKC) wurde 2004 auf offener Straße ermordet. Unabhängige Ermittlungen blieben aus. In Sri Lanka müssen GewerschafterInnen infolge einer Kampagne, die sie als VerräterInnen und TerroristInnen darstellt, mit Einschüchterungen und Entführungsdrohungen rechnen.
Dies sind nur einige wenige Beispiele für die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. .Allerdings können sich die internationalen Konzerne den Ärger mit den Gewerkschaften auch vollkommen sparen: Entweder sie lagern ihre Arbeitsplätze, die die Erledigung vornehmlich manueller Tätigkeiten und mäßiges Bildungsgrundniveau abfordern, in sogenannte Sweatshop-Länder mit Freihandelsabkommen aus. So senken sich Lohnkosten bei gleichzeitiger Verlängerung der Arbeitszeit - oder gleich ins gewerkschaftsfreie China, das seit 2004 uneingeschränkt am internationalen Markt mitbieten kann.So wurde z. B. anlässlich des Treffens des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in London am 12. Juni, von der Kampagne Playfair2008 der Bericht „Keine Medaille für Olympia!“veröffentlicht. Darin werden massive Arbeitsrechtsverletzungen in chinesischen Fabriken, die Merchandising Produkte wie Taschen, Kopfbedeckungen und Schreibwaren für die Olympischen Spiele in Peking herstellen, aufgedeckt.
Yuk Yuk Choi von „Worker Empowerment“ und Jenny Chan von SACOM („Students and Scholars against Corporate Misbehaviour“) berichteten anlässlich des österreichischen Filmstarts von „China Blue“aus erster Hand von den massiven Arbeitsrechtsverletzungen in China, „damit man in Österreich versteht, wie die Arbeiterinnen und Arbeiter in China leiden“. Dabei sei die Gesetzgebung in China nicht schlecht, nur würde sie durch den Druck internationaler Konzerne, etwa Disney, nicht angewendet.

Erfolge durch Proteste von KonsumentInnen

Die massiven Proteste von VerbraucherInnen führten dazu, dass Tchibo endlich beginnt, seine soziale Verantwortung wahrzunehmen. Im Fall des Betriebs Basic Apparels in Bangladesch verpflichtete Tchibo seinen Lieferanten, sich mit der bengalischen Gewerkschaft NGWF an einen Tisch zu setzen. Ergebnis: Die unrechtmäßig entlassenen ArbeiterInnen konnten zwischen Wiedereinstellung oder Entschädigungszahlungen (sechs Monatslöhne) wählen.
Nike hat eine Liste seiner weltweit 704 Produktionsstätten veröffentlicht. Mit mehr Transparenz will der US-Sportartikelhersteller den Vorwurf entkräften, er beute ArbeiterInnen und Kinder vor allem in seinen asiatischen Fabriken aus. Mit dem Schritt hoffe Nike, auch andere Unternehmen zu ähnlichen Maßnahmen zu ermuntern, heißt es in einer Erklärung.
Der Druck vieler tausender KonsumentInnen hat in diesen Fällen dazu geführt, dass zumindest ansatzweise soziale Verantwortung in die Unternehmensstrategie integriert werden soll. Ohne Kontrolle und Druck durch internationale Politik und Gewerkschaft werden die Multis jedoch kaum auf ihren Profit verzichten wollen, auch wenn daran Blut klebt.

Quellen:
"Solidarität", Monatszeitschrift des österreichischen Gewerkschaftsbunds
Südwind- Magazin, Magazin für internationale Politik, Kultur und Entwicklung

Wo am Profit Blut klebt
Kommentar(e) (0)
Die folgenden Kommentare geben Meinungen von Lesern wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Meinung der Betreiber dieser Site. Die Betreiber behalten sich die Löschung von Kommentaren vor.