15. Jänner 1919: Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Tuesday, 15. January 2008 @ 22:17

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden am 15. Jänner 1919 um 21,30 aus ihrer letzten Unterkunft in der Mannheimer Straße 43 von einem Trupp der Wilmerdorfer Bürgerwehr unter Lindner und Moering abgeholt und in das Eden- Hotel, das Hauptquartier der Garde- Kavallerie- Schützen-Division gebracht.Dort wurden beide schwer misshandelt und schließlich einzeln zum Tiergarten transportiert und auf dem Weg dorthin bzw. dort erschossen.

Beteiligt an den Morden waren unter Anderem ein Jäger Runge, ein Leutnant Vogel, ein Leutnant zur See Hermann W. Souchon, ein Adjutant von Pfug Harttung sowie - aus österreichischer Sicht besonders interessant- der Hauptmann der Garde- Kavallerie-Schützendivision Waldemar Pabst, der später zwischen 1920 und 1930 von Innsbruck aus die österreichischischen Heimwehren aufbaute und bis zu seinem Tod 1970 niemals strafrechtlich verfolgt wurde.

1959 gab er eine eidesstattliche Erklärung ab, dass er selbst Rosas und Karls Verhaftung veranlasst habe, da "man ihnen nichts Gleichwertiges entgegen zu setzen habe". 1969 notierte er:"Dass ich die Aktion ohne Noskes (und Eberts?) Zustimmung niemals hätte durchführen können, war klar..."
In den auf die Morde folgenden Wochen fielen tausende ArbeiterInnen dem weißen Terror der Freikorps zum Opfer. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hatten bis zur Gründung der KPD sehr unterschiedliche Laufbahnen hinter sich.

Rosa war in dreifacher Hinsicht diskriminiert: Als Frau, Jüdin und "Ausländerin". Sie war eine Intellektuelle, die theoretische Wortführerin der deutschen Marxisten, eine Weltbürgerin und Internationalistin. Außerdem war sie Pazifistin und eine hervorragende Rednerin.

Ihr Gegner warfen ihr stets vor, radikal zu sein - und ohne Zweifel war sie dies, wenn man die ursprüngliche Bedeutung des Wortes in Erwägung zieht, denn sie war nicht bereit, Opportunismus und Lügen zu dulden. So meinte sie etwa auf den Vorwurf, dass Spartakus den Terror befürworte: "Die ..die ohne mit der Wimper zu zucken, anderthalb Millionen deutsche Männer zur Schlachtbank getrieben haben, um neuer Kolonien willen, die Scheidemann-Ebert, die vier Jahre lang die Mittel dafür bewilligten - sie schreien jetzt im heiseren Chor, über den Terror, der angeblich von der Diktatur des Proletariats drohe..."Bei einer anderen Gelegenheit meinte sie:"Wir baruchen durchaus nicht in der Revolution Heugabeln und Blutvergießen zu verstehen. Eine Revolution kann durchaus in kulturellen Formen verlaufen, denn wir sind die letzten, die zu Gewaltmitteln greifen. Aber solche Dinge hängen nicht von uns ab, sondern von unseren Gegnern."
Rosa Luxemburg kritisierte aber auch die bolschewistische Revolution. Beinahe die gesamte Kriegszeit verbrachte sie in Gefängnissen, ihre letzten Lebenstage waren erfüllt mit der Arbeit an der "Roten Fahne" und dem Parteiprogramm der neu gegründeten KPD.

Karl war der Sohn des Wilhelm Liebknecht, des Parteigründers der SPD, er war Rechtsanwalt und schrieb ein Buch gegen den Militarismus, was ihm 1,5 Jahre Festungshaft einbrachte. Ab 1908 saß er im preußischen Landtag, ab 1912 im deutschen Reichstag, wo er 1912 durch Verweigerung des Fraktionszwangs in der Frage der Kriegskredite große Popularität erlangte. Am 1. Mai 1916 begann er seine Ansprache mit den Worten "Nieder mit dem Krieg!", was ihm wieder 2,5 Jahre Gefängnis einbrachte. Karl Liebknecht bewies mehrmals seine Integrität und seinen Mut, seine politische Macht war allerdings gering.

In der letzten Ausgabe der "Roten Fahne", an der die beiden mitarbeiteten, schrieb Karl Liebknecht:"Und ob wir dann noch leben werden, wenn unser Ziel erreicht ist - leben wird unser Programm. Es wird die Welt der erlösten Menschheit beherrschen. Trotzalledem!!" Und Rosa fügte hinzu:" Die Revolution wird sich morgen schon rasselnd wieder in die Höhe richten und ....verkünden: Ich war, ich bin, ich werde sein!"

Zum Weiterlesen:
Luxemburg, Rosa: Reden. Reclam, Leipzig,1976
Ulrich, Volker: Als der Thron ins Wanken kam, Bremen, 1993.
Hetmann, Frederic: Rosa L.- Die Geschichte der Rosa Luxemburg und ihrer Zeit, Basel, 1976.
Gietinger, Klaus: Eine Leiche im Landwehrkanal, Berlin,1995.

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