27. Jänner: Tag des Gedenkens an den Holocaust

Sunday, 27. January 2008 @ 12:07

Am 27. Jänner 1945 wurden die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz von der Roten Armee befreit.
Am 27. Jänner 2008 soll an die sechs Millionen Juden erinnert werden, die den Nazis zum Opfer gefallen sind. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass sich GenossInnen unter ihnen befanden, die "doppelt" verfolgt wurden: aus "rassischen" und aus politischen Gründen - und daher keine Überlebenschance hatten.

"Die Lebenden können sich auf vielfältige Weise selber helfen; nicht aber die Toten, deren Ermordung damals die Menschheit geschehen ließ. Für sie, an deren furchtbarem Ende nichts zu ändern und nichts wiedergutzumachen ist, gibt es nur eine Rettung. Vor ihrem Anspruch, von den Überlebenden angehört und nicht vergessen zu werden, hat jeder andere zurückzustehen." (Wolfgang Pohrt, Ausverkauf. Von der Endlösung zu ihrer Alternative. Pamphlete und Essays, Berlin 1980.)

Allerdings es reicht es keineswegs aus, der Toten zu gedenken und sie zu ehren. Der Generalsekretär der UNO Ban Ki Moon wies auf die Verbindungen zur Gegenwart hin: "Wir müssen die jetzige Generation aufklären und uns um sie kümmern", forderte er. "Wir müssen ihnen Respekt vor der Verschiedenheit (der Menschen) geben, ehe sich Intoleranz entwickeln kann." Aufgabe sei, den Menschen in aller Welt die Idee der "Würde und Gerechtigkeit für alle" näher zu bringen: "Lassen Sie uns die Menschenrechte nicht als Selbstverständlichkeit betrachten." (APA/dpa)

Eines der Ziele der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie war die Vernichtung, die völlige Auslöschung von Menschen.
Auslöschung hieß in diesem Fall unter anderem, dass den Menschen ihre Namen genommen und durch Nummern ersetzt wurden. Auslöschung bedeutete, dass die Täter versuchten, keine Spuren zu hinterlassen, weder von der Tat selbst noch von den Opfern. Die völlige Auslöschung hätte auch bedeutet, dass es an die Opfer keine Erinnerung gibt.

Das erinnert werden hatte jedoch für die Häftlinge eine zentrale Bedeutung: Zahlreiche Überlebende berichten, daß der Gedanke, Zeugnis für das Geschehene ablegen zu können, für sie ein wesentliches Motiv im Kampf ums Überleben war. Deshalb riskierten in vielen Gettos und Lagern Häftlinge im wahrsten Sinn des Wortes Kopf und Kragen, um Aufzeichnungen über Verstorbene oder Ermordete aufzubewahren. So z.B. machten es sich einige Gettoinsassen von Lodz zur Aufgabe, wesentliche Teile des Gettoarchives zu retten. Im KZ Ebensee in Oberösterreich versteckten Häftlinge die ihnen am wichtigsten scheinenden Dokumente - die Todeslisten - in einem Feuerlöscher. (Florian Freund/Hans Safrian, Vertreibung und Ermordung. Zum Schicksal der österreichischen Juden 1938-1945. Das Projekt "Namentliche Erfassung der österreichischen Holocaustopfer", hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien 1993 www.holocaust.at )

Nur vereinzelt erinnern Gedenksteine, Friedhöfe und Grabstätten an die ermordeten österreichischen Juden. In der Zeit nach 1945 war in Österreich neben Wiederaufbau und aufkommendem Wohlstand kaum Platz für die Erinnerung. Erst in der jüngeren Geschichte hat das "Sich erinnern" Platz im öffentlichen Diskurs.

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