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8. März - Internationaler Frauentag:Radikale Verhältnisse erfordern ebensolche Antworten

FeminismusKommentar zum Internationalen Frauentag von Heidi Ambrosch

In ihrem jüngst erschienen "Weißbuch Frauen/Schwarzbuch Männer" schreiben Sibylle Hamann und Eva Linsinger: "Gleichberechtigung ist kein Luxus, sondern eine Sache der ökonomischen Vernunft. Eine neue gerechte Rollenverteilung tut allen gut: Frauen, Kindern, der Politik, der Wirtschaft - und den Männern." Ihr Plädoyer "für einen neuen Geschlechtervertrag" basiert auf den bekannten Daten und Fakten der strukturellen Diskriminierung, die einmal mehr im Buch zusammengefasst sind. Aber neoliberale Politik und schon gar nicht die ihr diktierende Macht der kapitalistischen Ökonomie hat was mit solcherart Vernunft am Hut. Auch patriarchale Machtverhältnisse sind alles andere als vernünftig. Und so vermisse ich die Bearbeitung der eigentlichen Frage:

Warum tritt Halbe/Halbe, die Quote in allen Bereichen seit Jahrzehnten auf der Stelle?

Die Dialektik der Wirklichkeit ist simpel, wie Brecht schon schreibt:

Wärst du nicht arm, wär ich nicht reich.

Ohne Diskriminierung keine Privilegien. Ohne Arbeitslosigkeit kein Lohndumping, ohne Abwertung von Frauenarbeit keine Lohndifferenz, die den Unternehmen größere Profite sichert und selbst bei verantwortungsbewussten Männern wenig Spielraum lässt, eine geteilte Karenzzeit zu überlegen. Weniger verantwortungsbewussten Männern vermittelt sie auch eine Art von Glauben, ihr Anteil an der gesamtgesellschaftlichen Arbeit wäre bedeutender, obwohl bereits auf UNO-Frauenkonferenzen nachgewiesen wurde, 2/3 dieser leisten Frauen! Ohne gesellschaftlicher Verantwortung für die Reproduktion, wie auch die Betreuung der kranken und älteren Mitglieder der Gesellschaft, der Individualisierung zu Lasten der Frauen haben Männer mehr Freizeit oder auch Zeit, sich in die politischen Gremien einzubringen, oder ihre Netzwerke an diversen Stammtischrunden zu verfestigen und natürlich sind es auch weniger Kosten für das System, siehe Pflegedebatte. (Diese Liste ließe sich fortsetzen)

Das System ist der Fehler!

Was sich in der Psychotherapie bereits als anerkannter Ansatz etabliert hat, ist leider in die Politik, in die Analyse der Produktionsverhältnisse noch nicht vorgedrungen. Die kapitalistische Produktionsweise hat als Fundament die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und schon immer auch der zwischen Einheimischen und Minderheiten//MigrantInnen. Da hilft kein Appellieren an die Vernunft. Da braucht es ein anderes Betriebssystem! Aber diese Denkweise scheint im Computeralltag angekommen, unmöglich zu sein. Vielleicht ist der Zwang, seine PC-Festplatte permanent neu formatieren zu müssen, ein wesentliches Hindernis, die im eigenen Kopf zu bedenken? So radikal wie die Teuerung bei gleichzeitigem Lohndumping immer mehr Menschen/insbesondere Frauen in die Armut, in ein prekäres Leben treibt - so radikal, wie rassistische Hetze um sich greift - so radikal wie militante AbtreibungsgegnerInnen Frauen terrorisieren (auch diese Liste ließe sich fortsetzen) - so radikal muss unsere Antwort sein und den Kern des Systems treffen, in seinen vielfältigen Verflechtungen von kapitalistischen und patriarchalen Produktions- und Geschlechterverhältnissen. Der Kern ist die private Aneignung der Arbeitsleistung anderer Menschen, im Beruf wie privat. Diesen Kern zu treffen, heißt nachhaltige Forderungen und kreative Aktionen dafür zu entwickeln, die vor allem Frauen samt ihren möglichen Nachkommen ein vom männlichen Ernährer (realpolitisch zunehmend eine Ausnahmeerscheinung) und von staatlicher Fürsorgepolitik unabhängiges Leben als Recht garantieren.

Um nicht weniger geht es uns KPÖ-Frauen am Internationalen Frauentag und wir fühlen uns mit diesem Begehren in den Frauen/Lesbenaktionen in allen österreichischen Städten verbunden und rufen zu ihrer Unterstützung, zur Teilnahme an diesen auf.

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