KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

Tage der Fahnen

Doppel-Rot-Weiß-Rot am fahrbaren Untersatz, ein Herz und etwas Werbung für die „Krone“ und ein seltsamer schwarzer Vogel (ohne Hammer und Sichel natürlich!) – wie schön, dass sich die „echten Österreicher (Innen?)“ derzeit schon von weitem ausmachen lassen. Und dies hat seine Gründe:

Bei einer weltweiten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts der University of Chicago zum Nationalstolz aus den Jahren 2003 und 2004 lag Österreich auf dem vierten Platz, hinter den „Kleinstaaten“ USA, Venezuela und Australien. Besonders der "allgemeine Patriotismus"- böse Zungen könnten ihn auch „Hurrapatriotismus“ nennen, da er sich nicht auf besondere Leistungen bezieht, ist in Österreich stark ausgeprägt. Acht Jahre zuvor lag Österreich sogar auf dem zweiten Platz gleich hinter den USA - und beim allgemeinen Stolz auf Platz eins.

"Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz, denn er verräth in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz seyn könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen theilt (...) Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz seyn könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu seyn." (Schopenhauer)

Was hat es denn mit den koketten rot-weiß-roten Fähnchen eigentlich an sich?

Die weit verbreitete Mär vom weißen Waffenrock des Babenbergers Leopold V, der bei der Schlacht von Akkon bis auf einen durch die Schwertbinde bedeckten Streifen mit Blut (der Ungläubigen) besudelt gewesen sei, ist ja historisch wenigstens nicht haltbar – Tatsache ist aber, dass die rot-weiß-rote Flagge auf den Bindenschild der Babenberger zurück geführt wird und bis 1918 als Kriegsflagge des Habsburgerreichs Verwendung fand. Am 31. Oktober 1918, noch vor der Ausrufung der Ersten Republik, wurden auf Vorschlag des späteren (klerikalkonservativen) Bundespräsidenten Wilhelm Miklas vom Staatsrat, welcher damals provisorisch die Regierungsgeschäfte führte, die Farben Rot-Weiß-Rot “als deutschösterreichische Staatsfarben” festgelegt.
Doch Hurrapatriotismus her und Rot-Weiß-Rot hin – wer hätte sich zu „normalen Zeiten“ eine Fahne auf sein Auto gesteckt? Kräftig angeheizt durch Krone-Gegeifer (Verboten! Erlaubt? Beigelegt!) zeigen die Österreicher nun Fähnchen . Wie schön sich der Sport doch immer als Vehikel für Nationalismus verwenden lässt.

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