No more Euro

Monday, 30. June 2008 @ 10:32

Überstanden!

Nichts für ungut, liebe Fußballfans! Ich als passionierte Ballspielerin finde Fußball an und für sich ganz nett, besonders, wenn jemand selbst spielt. Ich habe mir aber auch schon verschiedene Matches angesehen - unvergessen das Lokalderby SC Tamsweg gegen Torpedo Tamsweg! (Mangelnde konditionelle Leistungen konnten - für jederfrau nachvollziehbar - auf die vorangegangene Abendgestaltung der Spieler zurück geführt werden.)

Auch einige WM Spiele waren recht interessant, keine Frage! Echte Patriotenspießer, die inbrünstig "Ü-Ü-Ümit!" oder "Ivica!" brüllen, das hat schon was. Aber- "wer oder was ein Österreicher ist, bestimme ich!" hat Tradition -man erinnere sich an diverse andere (erfolgreiche) SportlerInnen. Selbst im Falle von Heli Köglberger war die österreichischen Seele großzügig - und sind wir "sich" ehrlich - deutet nicht auch der Name "Prohaska" auf ziegelböhmische Vorfahren hin? (Vielleicht tut er sich ja deswegen mit der Deklination in der deutschen Sprache so schwer?)
Doch warum muss so eine Ballesterei in ein nationales Großereignis mit Hurrapatriotismus-Geheul, Frauenfeindlichkeit und Gewalt münden? (Ganz einfach - weil es sich nicht um sportliche, sondern massiv kapitalistische Interessen handelt, die dem blöden Volk mittels möglichst primitiver Vehikel schmackhaft gemacht werden sollen.) Gekaufte Journaille, massiver Webeaufwand mittels Steuergeldern, Staatsbesuche, Oligarchen im Kaufrausch und die erste Live-Schaltung des ORF in die Brunnengasse, man scheute wahrlich keine Mühe und bemühte jedes Stereotyp einzeln - wie schön, dass die kapitalistische Rechnung anscheinend doch nicht ganz im Sinne ihrer Protagonisten aufgegangen ist. Zunächst einmal sind sogar die testosterongeschwängerten Zuschauermassen nicht ganz so dämlich, wie es die UEFA gerne hätte:
Die Carlsberg-Schlempe um 4,50 war wohl auch den eingefleischtesten Fans und Biertrinkern suspekt: Unverständlich, warum Fans aus Österreich, Deutschland, Tschechien - Ländern mit Bierkultur - genau diese Brühe hätten saufen sollen? "Das für die Versorgung verantwortliche Catering-Unternehmen impacts rechnete mit 60 Tonnen Leberkäse, 600.000 Semmeln, 300.000 Paar Würsteln, drei Millionen verkauften Krügeln Bier und einer Million Halbliterbecher mit antialkoholischen Getränken." Geworden sind es gerade mal 800.000 Halbe, also 2/3 (!) unter der Kalkulation.

Überhaupt war das "Public Viewing" wohl nicht der echte Reißer. Zuerst durch Tretgitter mit Leibesvisitation (zumindest demoerfahrene Fans konnten den Eindruck eines Polizeikessels wohl nicht abwehren), dann stehend das Spiel verfolgen...? Warum nicht gleich ins Stammbeisl, mit Freunden, in gewohnter Atmosphäre und zu vernünftigen Preisen?
"Public Sleeping" oder wie der Schwachsinn im Messegelände wohl geheißen hat, war ebenfalls ein Flop: Klar, welche Zielgruppe hätte das Massenquartier denn auch ansprechen sollen?

Stellt sich abschließend die Frage, WER wohl von der Euro profitiert hat. Die Standler angeblich nicht. Die Arbeitsplatzbeschaffung war ein großer Schmäh - die Securities, die mich und meine SchülerInnen an einem Vormittag, als wir gezwungen waren, die "Fanzone" zu durchqueren, auf rüdeste Art perlustrierten, sprachen alle mit deutlich bundesdeutschem Akzent, Kurzzeitbeschäftigte waren es sowieso. Die Geschäfte? (Stichwort Sonntagsöffnung?) Angeblich auch nicht. Die Medien? Naja, "Krone" und Co. konnten ja immerhin die berühmte Kooperationsprämie lukrieren und die Umwelt durch widerwärtige Kunststofffähnchen versauen. Die UEFA? Sicherlich. Verschiedenste Konzerne? Anzunehmen.Die Mittel, die zur Bewerbung der EURO herhalten mussten, waren ja auch alles andere als zimperlich: Lesen Sie dazu den Text zur BIPA- Werbung:

Es geht um die Fußballkarten (rot, gelb und rosa, inkl. Pfeiferl), die man bei einem Einkauf bei Bipa als Werbegeschenk bekommt und auf denen Sprüche zu lesen sind, die Frauen dazu auffordern, während der Übertragung eines Fussballspiels den Mund zu halten, (den Mann?) mit Bier zu bedienen und als Sexobjekt zur Verfügung zu stehen.
Die Texte auf den Karten:

Rote Karte: RUHE! Rückseite: SCHATZ! Deine Lippen sind so sinnlich und wunderschön. Aber wusstest Du, dass sie am allerschönsten sind, wenn du sie geschlossen hast?
Rosa Karte: SEX! Rückseite: SCHATZ! Du hast mich 90 Minuten mit deinem tollen Look abgelenkt. Jetzt würde ich mich freuen, wenn wir das Fußballspiel als Vorspiel sehen würden und direkt zur Sache kommen könnten.
Gelbe Karte: BIER! Rückseite: Du hast so schöne gepflegte Beine: Sei doch so nett und lauf damit mal rüber zum Kühlschrank und hol? mir ein kühles Erfrischungsgetränk, damit ich deinen eleganten Laufstil bewundern kann.

Starker Tobak, nicht?

Hatte die Euro also gar nichts Gutes zu bieten? Doch - eine autofreie Ringstraße - die könnte meiner Meinung nach ruhig beibehalten werden - vorausgesetzt, die Öffis verkehren wieder wie früher. Leider dürfte dies ebenso eine Utopie sein wie die Vorstellung, ähnliche Menschenmassen wie bei der EM würden sich ebenso emphatisch in Bewegung setzen, wenn es um für sie wirklich relevante Themen geht: um gerechte Verteilung von Ressourcen, um Verteidigung der Menschenrechte, um Gerechtigkeit, Frieden und ein angenehmes Leben für ALLE statt um Geld für die UEFA auf Grund der Tatsache, dass ein paar überbezahlte Hansln einen Ball in ein Tor zu schießen versuchen, was ein paar andere ebenso entlohnte zu verhindern versuchen.

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