KPÖ Wien West
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Zum Welttag der LehrerInnen:"Brot statt Rosen"

Gestern war der "Welttag der LehrerInnen".Schön ist es zu wissen, dass überall auf der Welt KollegInnen damit beschäftigt sind, Kinder und Jugendliche in den Kulturtechniken zu unterrichten, sie motivieren, sich Bildung anzueignen und sie zu ermächtigen, sich in ihrer lebensqwelt zurecht zu finden.
PliltikerInnen (in Österreich war es Noch-BM Schmied) fanden mehr oder weniger salbungsvolle Worte, um den LehrerInnen für ihre Arbeit zu danken. Dabei darf aber nicht vergessen werden: Durch die Versäumnisse der Politik, vor allem durch die Blockade-Technik der ÖVP sind erst viele Probleme der Schule virulent geworden- und daher fordern wir "Brot" - echte Reformen und Verbesserungen - statt "Rosen" - wieder nur schöner Worte. Bildung kostet - und ein reicher Staat wie Österreich muss sich die beste Bildung leisten können.
In der Folge lesen Sie ein Schreiben des ÖLI-UG, dessen Forderungen wir uns vollinhaltlich anschließen.

An Klubobleute / Parteivorsitzende der im Parlament vertretenen Parteien

Forderungen an die Bildungs- und Budgetpolitik 2008-2013

Sehr geehrte Abgeordnete, Klubobleute und Parteivorsitzende!

Das österreichische Schulwesen ist eine ungesicherte Baustelle. Die arg verkürzte letzte Legislaturperiode hat nicht ausgereicht, jahrzehntelange Versäumnisse und Einsparungen zu überwinden. Es fehlt an vielen Ecken und Enden:
Es fehlt an Schulraum, insbesondere für kinderfreundliche und sozial integrative ganztägige Schulformen. An den berufsbildenden Schulen und BORGs kann deshalb die SchülerInnen-Höchstzahl 25 nicht umgesetzt werden.
Es fehlen nicht nur Budgetmittel, es fehlen zunehmend auch LehrerInnen für kleinere Klassen und Lerngruppen, für individuelle Förderung, für soziale Integration.
Es fehlt die Ausbildung aller LehrerInnen auf Master-Niveau und eine der Ausbildung und den Anforderungen entsprechende Bezahlung. Bisher hat auch der politische Wille zu einer sozial ausgewogenen (dem Menschenrecht auf Bildung aller in Österreich lebenden Kinder und Jugendlichen entsprechenden) Schulreformpolitik gefehlt ? und fehlten und fehlen zukunftsorientierte Bildungsbudgets.

Wir ÖLI-UG, im Unterricht und in der Gewerkschaft/Personalvertretung engagierte LehrerInnen aus APS, AHS und BMHS, schlagen folgende Maßnahmen vor:

- Anstellung von SchulpsychologInnen zumindest an jeder größeren Schule

- Rücknahme der sogenannten Entlastungsverordnung (BM Gehrers Stundenkürzungsaktion) und Wiederherstellung der pädagogisch bewährten und begründeten Stundenzahlen

- Eine zusätzliche Klassenvorstandsstunde (wie sie schon die Arbeitsgruppe Schulklima des BMBWK 2006 gefordert hat) zur Förderung der Integration und der Kooperation von Schülerinnen und Schülern in der Klassengemeinschaft und Wiedereinrechnung der Klassenvorstands-Tätigkeit in die Lehrverpflichtung

- ein gemeinsames öffentliches Dienst- und Besoldungsrecht für alle LehrerInnen, Einrechnung von Beratungs-, Koordinations-, Qualitätssicherungs-, Schulentwicklungsarbeit und Supervision in die Lehrverpflichtung ? deutliche Anhebung der Einstiegsgehälter entsprechend den Anforderungen und der künftigen Universitätsausbildung mit Gewerkschaft und Personalvertretung ausverhandeln

- Universitätsausbildung auf Master-Niveau für alle LehrerInnen ? Volksschule, Sekundarstufe I und II, Integration der Pädagogischen Hochschulen und der LehrerInnenweiterbildung in die Universitäten

- Genehmigung aller Schulversuche im Zusammenwirken von APS, AHS und BMHS, ohne Beschränkung durch prozentuelle Obergrenzen; die im September 2008 begonnene Entwicklung intensivieren und ausweiten

- das Raumangebot den kleineren und daher mehr Klassen (einem praxis-orientierten Fachunterricht und den Erfordernissen von schülerInnen- und lehrerInnenfreundlichem Arbeits- und Lebensraum) entsprechend planmäßig und zügig verbessern. Unterrichtsräume schaffen, die den Ansprüchen zeitgemäßer Pädagogik (Nischen für Gruppenarbeit, Leseecke, EDV-Stationen, Klassenbibliothek etc) entsprechen

- Werbung für das Lehramtsstudium unter OberstufenschülerInnen, auch und besonders unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Es ist 5 nach 12

Die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, kalte Arbeitszeiterhöhung und Stundenkürzungen, nicht vorhandene Unterstützung durch SozialarbeiterInnen und SchulpsychologInnen an den Schulen, dazu die Empfehlung der Unterrichtsministerin Gehrer, von einem Lehramtsstudium abzusehen (MaturantInnenbrief 2004), dazu die unübersichtliche Situation mit Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, haben dazu geführt, dass mit dem heurigen Schuljahr verstärkt LehrerInnenmangel herrscht. Die AbsolventInnenzahlen von Universitäten und PH reichen nicht aus, um Pensionierungen auszugleichen und den Zusatzbedarf der nächsten Jahre für kleinere Klassen (Höchstzahl 25), Individualisierungs- und Integrationsmaßnahmen, Gesamtschulversuche und ganztägige Schulformen (mit sportlichen, musischen und naturwissenschaftlichen Angeboten) zu decken.

Eine demokratische, sozial integrative Schulreform ist eine notwendige Investition in die Zukunft. Sie ist auch die beste Werbung für den Lehrberuf. Bildung kostet. Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt. Es ist höchste Zeit für eine Umverteilung gesellschaftlich geschaffenen Reichtums von den Reichsten zum Rest der Bevölkerung ? eine soziale Steuerreform zur Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen, in Österreich und EU-weit.

In Erwartung Ihrer Antwort, mehr noch Ihrer Arbeit in Parlament und/bzw. Regierung,

Glück auf!

Für die ÖLI-UG: Eva Schmudermayer, Vorsitzende Wilfried Mayr Ingrid Kalchmair Josef Gary Fuchsbauer Irmgard Bernhard Reinhart Sellner Katharina Bachmann

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Zum Welttag der LehrerInnen:"Brot statt Rosen"
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