KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

NIEMALS VERGESSEN! Nie wieder Faschismus!

Antifa"In den Jahren 1939 - 1942 wurden vom ehemaligen Aspangbahnhof zehntausende oesterreichische Juden in Vernichtungslager transportiert und kehrten nicht mehr zurueck."

Mahnwache und Kundgebung

Montag, 9. November 2009, 18 Uhr Gedenkstein vor dem ehemaligen Aspangbahnhof Platz der Opfer der Deportation (bei Ecke A.-Blamauergasse/Aspangstrasse), 1030 Wien

Im Anschluss (ab etwa 20.30 Uhr): Filmvorfuehrung, Hermann Langbein ueber "Die Staerkeren" in Auschwitz und anderen KZs; Wildganshof, 1030 Wien (Vis-ˆ-vis S-Bahnstation St. Marx)

Zu dieser Kundgebung rufen auf: Abg. z. NR Karl Oellinger; Alternative und Gruene GewerkschafterInnen (AUGE/UG); ARGE fuer Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Fluechtlingsbetreuung; Bund sozialdemokratischer Freiheitskaempfer, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschisten; Deserteurs- und Fluechtlingsberatung; Die Bunte Zeitung; Dieter Schrage - Die Gruenen SeniorInnen; Foederation der ArbeiterInnen Syndikate (FAS); Gedenkdienst; Gewerkschaftlicher Linksblock (GLB); Gruene Alternative Wien; Infoladen Wels; Initiative Aspangbahnhof; Kommunistische Partei Oesterreichs - Wien (KPOe-Wien); Pierre Ramus Gesellschaft; Redaktion "Akin"; Revolutionaer Sozialistische Organisation (RSO); Service Civil International (SCI); Sozialistische Jugend Wien (SJ-Wien); Sozialistische LinksPartei (SLP); Unabhaengiges Antifaschistisches Personenkommitee Burgenland

Niemals vergessen!
Woran gedenken wir am 9. November?
Schon in der Nacht vom 11. zum 12. Maerz 1938, also anlaesslich des Einmarsches der deutschen Wehrmacht in Oesterreich, begannen Ausschreitungen gegen Juedinnen und Juden in Oesterreich. Viele wurden von SA- und HJ-Leuten wie von "einfachen" Parteimitgliedern, die sich ihre Hakenkreuzbinden und Orden angeheftet haben, verhaftet, geschlagen und oeffentlich gedemuetigt. Fensterscheiben wurden eingeschlagen. Juden und Juedinnen wurden gezwungen Parolen, welche Anhaenger des austrofaschistischen Bundeskanzlers Schuschnigg am Vorabend des "Anschlusses" auf Waende und Gehsteige geschrieben haben mit Reib- und Zahnbuersten wegzuwaschen. Wiewohl mancher der Schaulustigen ihre Bekannten und FreundInnen unter den Gedemuetigten erkannt haben musste, hat niemand den Mut aufgebracht zu protestieren, was zu diesem Zeitpunkt sowohl moeglich als auch sinnvoll haette sein koennen. Mit diesen Erniedrigungen begann die systematische Diskriminierung der oesterreichischen Juden und Juedinnen. Um so heftiger als im "Altreich", weil in Oesterreich die Entwicklung, die in Deutschland fuenf Jahre gedauert hatte, in kuerzester Zeit ueber die Betroffenen hereingebrochen ist. Etwa 200.000 OesterreicherInnen wurden nach den "Nuernberger Rassengesetzen" zu "Juden" erklaert, wobei etwa 180.000 von ihnen tatsaechlich der juedischen Religion angehoerten. Die Nazis begannen mit Berufsverboten und Ausbildungsbeschraenkungen, Juden und Juedinnen wurden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschraenkt. Das erste Ziel war es, die juedische Bevoelkerung aus dem oeffentlichen Leben zu draengen. Dann sollte ihr die wirtschaftliche Lebensgrundlagen entzogen und nicht zuletzt: gleich ob Arm, ob Reich, ihr gesamtes Vermoegen geraubt werden und dieses zumindest nach Willen der Nazi-Granden in die Kassen des "Dritten Reiches" fließen, obwohl sich auch manch anderer dabei "bedient" hatte. Adolf Eichmann, ein strebsamer Biedermann im Dienste des Sicherheitsdienstes (SD) der SS, wurde nach Wien beordert, um die "Zentralstelle fuer juedische Auswanderung" aufzubauen. "Auswanderung" hiess die Beschoenigung fuer das Vorhaben der Nazis, moeglichst viele Juedinnen und Juden aus Oesterreich zu vertreiben. Doch davor sollte sichergestellt werden, dass diese nicht mehr als die notwendigsten Habseligkeiten mit sich nehmen konnten, der gesamte uebrige Besitz wurde beschlagnahmt. Trotz des stetig zunehmenden Terrors durch die Nazis konnten und wollten viele die Heimat nicht Hals ueber Kopf verlassen. Besonders aelteren Menschen fiel das schwer. Die fuehrenden Nazis hatten schon lange auf einen Anlass gewartet, die JuedInnenverfolgung zu verschaerfen. Sie brauchten einen Vorwand, mit dem sie diese v. a. auch gegenueber dem Ausland rechtfertigen und gegenueber der eigenen Bevoelkerung die Akzeptanz dafuer erhoehen konnten. Die Gelegenheit ergab sich nach dem Attentat Grynspans an Rath, sie wurde wegen der gelegten Feuer, welche sich in den zerbrochenen Fensterscheiben wie "Kristalle" spiegelten beschoenigend "Reichskristallnacht" genannt. Diese Nacht dauerte tatsaechlich mehrere Tage und Naechte. Nun wurden tausende juedische Wohnungen und Geschaefte gepluendert, zerstoert und "arisiert". 42 Synagogen und Bethaeuser wurden in Brand gesteckt und verwuestet. Nicht nur in Wien, auch in den kleineren oesterreichischen Staedten wie Innsbruck kam es zu blutigen Uebergriffen. Zahlreiche Menschen starben in Oesterreich waehrend des und nach dem Novemberpogrom an den Folgen der Misshandlungen oder nahmen sich aus Verzweiflung das Leben. 6547 Juden wurden in Wien im Zuge des Novemberpogroms verhaftet, 3700 davon ins KZ Dachau deportiert. Und: Die juedische Bevoelkerung wurde dazu verpflichtet fuer alle Schaeden des gegen sie gerichteten Pogroms aufzukommen! Das Novemberpogrom war der entscheidende Schritt, die begonnenen Entrechtungs- und Beraubungsmassnahmen gegen Juden und Juedinnen zu vollenden. Es war aber auch eine Art "Testlauf" der Nazis, wieviel JuedInnenverfolgung der Bevoelkerung zuzumuten sei, ohne dass es zu nennenswertem Widerstand dagegen kommt.
Der Aspangbahnhof
Mit dem deutschen Ueberfall auf Polen begann offiziell der 2. Weltkrieg in Europa. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch etwa 70.000 Juedinnen und Juden in Wien. Alle verbliebenen oesterreichischen Juedinnen und Juden waren mittlerweile nach Wien geschickt worden. Dort lebten sie zusammengepfercht in Sammelwohnungen und -lager, unter schlechten Bedingungen und schlecht versorgt. Sie wurden registriert und mussten ab September 1941 einen gelben Davidstern tragen, wie auch die noch von Juedinnen und Juden bewohnten Wohnungen mit einem solchen gekennzeichnet wurden, um den Behoerden die Verfolgung bzw. Aushebung fuer die Deportationen zu erleichtern. Die ersten Deportationen sollten noch dem zumindest vor- geblichen Ziel dienen, deutsche bzw. oesterreichische Juedinnen und Juden in einem "Judenreservat" in Polen anzusiedeln. Dieser Plan wurde aber nie verwirklicht. Im Fruehjahr 1941 forderte der neue Gauleiter von Wien, Baldur von Schirach, die Deportationen wieder aufzunehmen, um die verbliebenen juedischen Wohnungen "freimachen" zu koennen. Juden und Juedinnen wurden erfasst und registriert und in der Folge Listen fuer die Deportationen zusammengestellt. Die Deportationen erfolgten vom Aspangbahnhof. Diese wurden zuerst mit normalen Personenwaggons der 3. Klasse, spaeter dann mit Viehwaggons, durchgefuehrt und "nur" von normaler Polizei bewacht, nicht von der SS. Zum einen wollten die Nazis wohl die Illusion einer "Auswanderung" fuer die Betroffenen und die beobachtende Bevoelkerung aufrechterhalten, zum andern rechneten sie nicht mit nennenswertem Widerstand durch die Betroffenen, weil viele der aus Wien Deportierten aeltere Menschen bzw. Frauen waren. Die Opfer der ersten Deportationen im Jahr 1941 wurden auf die Ghettos im besetzten Rest-Polen aufgeteilt. Arbeitsfaehige kamen meist in die Zwangsarbeitslager der SS. Die meisten dieser am Anfang 1941 Deportierten sollten im Fruehjahr und Sommer 1942 "Auskaemmaktionen" der SS zum Opfer fallen oder wurden zusammen mit den polnischen Juedinnen und Juden in die Vernichtungslager gebracht. Tausende oesterreichische Juden und Juedinnen wurden in Lagern wie Maly Trostinez massenhaft erschossen oder in Gaswagen ermordet. Spaeter fuehrten die Deportationszuege vom Aspangbahnhof in das Ghetto Theresienstadt in der Naehe von Prag, von wo aus die Zuege Richtung Vernichtungslager Treblinka, Sobibor, Auschwitz bzw. Auschwitz/Birkenau gingen, welche mittlerweile schon mit Gaskammern ausgestattet waren. Mit dem Zweck moeglichst viele Menschen in moeglichst kurzer Zeit und fuer die Mörder moeglichst "schonend" umzubringen. Unterdessen wurden auch oesterreichische Roma und Sinti (sie wurden zuerst als "Asoziale", spaeter als "Zigeuner" verfolgt) von der Kriminalpolizei bzw. Gestapo beraubt und in den Lagern Lackenbach/Burgenland, Maxglan/Salzburg und St. Pantaleon/OOe interniert. Sie wurden immer wieder zu Zwangsarbeit herangezogen. Etwa 5000 Roma und Sinti, in der Regel ganze Familien, wurden 1941 in das Ghetto Lodz deportiert und letztlich im Vernichtungslager Kulmhof/Chelmo ermordet. Ein grosser Teil der verbliebenen Roma und Sinti aus Oesterreich wurde nach Auschwitz/Birkenau gebracht und ermordet, nur wenige ueberlebten. Bei der Befreiung des Lagers Lackenbach durch die Rote Armee waren dort noch hoechstens 400 Haeftlinge. Nach 40 grossen und vielen kleineren Transporten aus Wien lebten von 200.000 oesterreichischen Juedinnen und Juden 1945 noch etwa 5000 in Wien. Sogar noch in den letzten Tagen der Kaempfe um Wien veruebte eine SS-Einheit ein Massaker an neun hier verbliebenen Juden. 15 bis 20.000 oesterreichische Juedinnen und Juden, welche sich nach der Flucht in die Tschechoslowakei, nach Belgien und Frankreich schon in Sicherheit geglaubt haben, fielen nach der Eroberung dieser Laender durch die deutsche Wehrmacht ihren Moerdern in die Haende. 6 Millionen europaeische Juden und Juedinnen sind der Shoa, auch "Holocaust" genannt, zum Opfer gefallen, mindestens 65.500 davon stammten aus Oesterreich. Diese Zahl ist eine Mindestzahl, da viele Ermordete namenlos oder auch "staatenlos" waren und deshalb nicht als oesterreichische StaatsbuergerInnen erfasst wurden. Von den 11 bis 12.000 oesterreichischen "Zigeunern" wurden zwischen 1938 und 1945 schaetzungsweise 9500 ermordet, etwa 2000 ueberlebten die Deportationen. Zudem sind zigtausende "Erbkranke" (Behinderte), "Asoziale", ZeugInnen Jehovas, ZwangsarbeiterInnen, Deserteure und "Wehrkraftzersetzer", Homosexuelle, Kriminelle und politische GegnerInnen bzw. WiderstandskaempferInnen aus Oesterreich der Mordmaschinerie der Nazis zum Opfer gefallen.

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus! Vor siebzig Jahren, im September 1939, griff Nazi-Deutschland Polen an. Eher widerwillig und halbherzig erklaerten England und Frankreich in Erfuellung ihrer Buendnispflichten Hitler den Krieg. Nach erstaunlichen Anfangserfolgen, ein Grossteil Europas kam unter Hitlers Herrschaft, brachte der (ebenfalls unprovozierte) Ueberfall auf die Sowjetunion und der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten die Wende. Dreiviertel der Welt standen am Ende gegen die Achsenmaechte. Unter unsaeglichen Opfern konnte Nazi-Deutschland am Ende niedergerungen und besiegt werden. Hinter diesen duerren Worten verbirgt sich furchtbares Grauen und Leid, Millionen und Aber-Millionen Tote, Verstuemmelte, vergewaltigte Frauen, Vertriebene. Am Schluss lag Europa in Truemmern. Und es verbirgt sich der entsetzliche Massenmord an juedischen Menschen hinter diesen duerren Worten. Hinter dem Schleier des Krieges schritten die Nazis von der Drangsalierung, Entrechtung, Diskriminierung juedischer Menschen zu deren industrieller Vernichtung. Krieg bedeutet immer Grausamkeit, Verrohung und Abstumpfung, anders ertraegt man/frau ihn nicht. Im Schlachtenlaerm fiel der letzte Ueberrest zivilisatorischer Tuenche. Die Nazis wussten genau, dass im Falle ihres Sieges niemand nach den ermordeten Juedinnen und Juden gefragt haette. Und in der Niederlage troestete sie wohl die Gewissheit, dass ihre Verbrechen so gewaltig waren, dass nicht nur jeder Versuch, sie zu begreifen (bis heute) versagen musste: Auch keine Bestrafung konnte der Tat nur annaehernd angemessen sein (und damit blieb der Massen- und Voelkermord eigentlich bis heute ungesuehnt). Man/frau hat es nicht gewusst? Adolf Hitler vor dem Deutschen Reichstag am 31. Jaenner 1939 (also vor Kriegsbeginn): "Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und ausserhalb Europas gelingen sollte, die Voelker noch einmal in einen Weltkrieg zu stuerzen, dann wird das Endergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums in Europa sein, sondern die Vernichtung der juedischen Rasse in Europa!" Am Ende dieser Prophezeiung stand Auschwitz, standen Leichenberge allenthalben. Wer es wissen wollte, der oder die hat es auch gewusst. Nicht das "Finanzjudentum" hat den Krieg begonnen, sondern Hitler. Die deutsche Fuehrung hat ihn seit 1933 zielgerichtet vorbereitet, 1936 kam der Einmarsch in das entmilitarisierte Rheinland, dann 1938 Oesterreich und das Sudetenland, 1939 wurde die Tschechoslowakei zerschlagen, Boehmen und Maehren annektiert. Das Ziel: Die Machterweiterung Deutschlands, die Herrschaft ueber Europa. Bei Polen war dann Schluss. Der Krieg war da. Und das war nur Hitler, Goering und Goebbels und ihre Handvoll Minister, Generaele und SS-Fuehrer? Die Deutschen und Oesterreicher marschierten. Die Frauen eilten an die verwaisten Werkbaenke in den Fabriken und bauten die Panzer und Granaten. "Ich habe nur meine Pflicht getan", diese gedankenlosen Worte eines spaeteren oesterreichischen Bundespraesidenten, zu seiner Rolle im 2. Weltkrieg befragt, sind die traurige Antwort auf die Frage nach kollektiver Schuld. "Krieg ist Pflicht und die erfuellt man halt" und vom Massenmord an Bewaffneten ist es zum Hinschlachten von Unbewaffneten nur mehr ein Schritt. Erika Mann schrieb 1945: "Politisch gesehen, sind die Deutschen apathisch. Waehrend viele von ihnen vorgeben, den Nazismus satt zu haben, habe ich nicht einen einzigen getroffen, der angab, je an Anti-Nazi-Aktivitaeten beteiligt gewesen zu sein . . . Die Mehrzahl gab zu, dass sie 1939 und 1940, als noch alles rosig aussah, voll und ganz hinter dem Führer gestanden haetten. Die wenigen, die angaben, dass sie ihn schon da- mals nicht gemocht haetten, beschwerten sich ueber seine Kurzsichtigkeit, Russland und die USA zu unterschaetzen und anschliessend zu provozieren. Von moralischen Bedenken war keine Rede." Also war nur falsch am Krieg, dass er verlorengegangen ist? Und auch diejenigen, die 1938 am Wiener Heldenplatz Hitler frenetisch zugejubelt hatten, sie waren vielleicht ernuechtert, geheilt waren sie nicht. Mittlerweile ist eine neue Generation herangewachsen, fuer die diese Greuel nur mehr ferne Vergangenheit und Geschich- te sind. "Geschichte" wiederholt sich niemals, schon gar nicht auf die gleiche Art und Weise. Aber nehmen wir kurz an, sie wuerde es, haette diese neue Generation daraus gelernt?
Initiative Aspangbahnhof Nichts wiederholt sich und doch bleibt manches immer gleich. Es sind nicht viele juedische Menschen, die noch in Oesterreich leben, nach 1945. Die meisten waren ermordet worden, von den wenigen Ueberlebenden wollten die meisten nicht mehr in diesem Oesterreich bleiben. Anflegeln lassen muessen sich die Wenigen allemal. Einen "Exil-Juden aus Amerika" nennt der Vorarlberger FPOe-Politiker Dieter Egger den Direktor des Juedischen Museums Hohenems, Hanno Loewy. Sein Chef Heinz-Christian Strache sekundiert Egger mit der Rechtfertigung, dieser haette ja kein "Schimpfwort" benutzt. Wahrscheinlich hat sich Strache dabei halb krank gelacht, begeistert ob der doppelt gelungenen Verhoehnung und Verspottung. Das Seltsame und Merkwuerdige daran ist, dass Strache damit ja eigentlich Recht hat: Ins Exil gehen zu muessen, ist keine Schande, sondern tragisches Schicksal. Und ein Mensch ist Jude, was sagt das schon ueber ihn? Eigentlich doch wenig bis gar nichts. Das Vorarlberger Wahlvolk aber versteht die Botschaft. Es waehlt die FPOe wegen (oder trotz, was genauso schlimm ist) dieser Entgleisung: Die FPOe erhaelt landesweit 25,2 %, in Hohenems, der Heimatstadt von Loewy, 35,2 %. Wir sind wieder soweit: Der Jude steht ausserhalb der (Volks-)Gemeinschaft. Wenn juedische Menschen am oeffentlichen Leben teilnehmen so wie alle anderen, wird nicht beurteilt, was sie sagen, ob das Hand und Fuß hat oder nicht, sondern es steht der Generalverdacht der Nestbeschmutzung im Raum, weil sie eben Juden sind. Das ist schlimm und uebel. Auch andere gehoeren nicht dazu: Auslaendische Menschen. Warum eigentlich? Was macht eigentlich "den Auslaen- der" aus? Zunaechst hat er oder sie einen "anderen" Reisepass, was ausser bei einer Personenkontrolle durch die Polizei aber niemand bemerkt. Die Sprache ist meistens eine "andere", das mag Verstaendigungsprobleme geben. Die sind loesbar, ein bisschen Bemuehen vorausgesetzt, welcher Aufschrei ginge wohl durchs Land, wuerden wir an dieser Stelle OesterreicherInnen auffordern, sich auch ein paar Worte aus der Sprache der "Anderen" anzueignen. Viele auslaendische Menschen haben eine "andere" Religion, manche sind auch gar nicht glaeubig, so wie viele OesterreicherInnen. Sollte Religion in einem saekularen Staat nicht Privatsache sein? Das Alltagsleben vieler AuslaenderInnen ist teilweise "anders", als das der oesterreichischen Leute. Dass das mehr mit ihrer sozialen Lage zu tun hat, als mit ihrer Herkunft (dem niedrigerem Einkommen, den beengten Wohnverhaeltnissen), waere das fuer eine aufgeklaerte Gesellschaft nicht aller Grund, diese Lage zu verbessern? Einige AuslaenderInnen gehen stehlen und einbrechen, verkaufen Drogen. Manche OestereicherInnen tun das nicht? Und zum Schluss, um das ja nicht zu vergessen: Sie sehen "anders" aus, die AuslaenderInnen. Manche haben eine dunklere Hautfarbe, da weiss man/frau gleich, dass "sie" nicht von "hier" sind. Und, was sagt das Aussehen ueber einen Menschen aus? Was ist so wichtig am "Anderssein"? Und wer ist eigentlich dieses merkwuerdige "Wir"? Unter "auslaendischen" und "inlaendischen" Menschen gibt es sympathische und unsympathische, hoefliche und unhoefliche, hart arbeitende und solche, die es eher langsam angehen. Es gibt wahrscheinlich einige "AuslaenderInnen" und einige "InlaenderInnen", mit denen sich der Verfasser dieser Zeilen gern einmal unterhalten wuerde und andere, denen er ganz einfach nichts zu sagen hat. Nuechtern und ruhig betrachtet: Der Unterschied zwischen OesterreicherInnen und AuslaenderInnen ist gering. Aber Zurueckhaltung, Gelassenheit, gesunder Menschenverstand, in diesem Zusammenhang? Bei der Abschlussveranstaltung der oberoesterreichischen FPOe zu den dortigen Landtagswahlen verteilt eine KuenstlerInnengruppe Muetzen mit der Aufschrift "Strache mach mir doch ein Kind, damit nicht alle von die Auslaender sind" und "Kebabstand in Christenhand". Slogans, die nicht den Geschmack der FPOe-Granden trafen. Als diese die Kappen einzusammeln versuchen, kommt es zu Tumulten mit den von den Parolen begeisterten FPOe-AnhaengerInnen. Humor und feine Ironie sind an FPOe-WaehlerInnen wahrscheinlich verschwendet. Wenn der oberoesterreichische FPOe-Chef Weinzinger erklaert: "Jede blonde, blauaeugige Frau, das heisst jede Frau mit deutscher Muttersprache braucht drei Kinder, weil sonst holen uns die Tuerkinnen ein", ("OOe. Nachrichten", 19. September 2008), lacht darueber niemand, sondern er gewinnt Wahlen damit. Die Feindbilder lassen sich fast austauschen: Wenn Strache gegen einen "EU-Beitritt von Israel und Tuerkei" zu Felde zieht und dumpfeste Ressentiments bedient, schlaegt er gleichzeitig zwei Fliegen mit einer Klappe (dass Israel ueberhaupt nicht der EU beitreten will, tut nichts zur Sache). Neueste Kreation ist ein Plakat Straches gegen Haeupl, in dem unter anderem "Bettler verbieten" gefordert wird. Das ("aggressive") Betteln selbst ist ja in Wien dank der SPOe schon lange verboten (vgl. ¤ 2 Wr. Landessicherheitsgesetz). Und wie immer, wenn eine der (ehemaligen) Grossparteien nach rechts rueckt, rueckt die FPOe noch weiter dorthin. Wie duerfen wir uns das denn vorstellen, wenn nicht Armut, sondern arme Menschen "verboten" werden sollen? Ist es paranoid, wenn es einem oder einer hier schaudert? Grauenvollste Kapitel der Vergangenheit: 1925 erschien das Buch von Hugo Bettauer, "Stadt ohne Juden". Sehr prophetisch und hellsichtig, erzaehlt es die Geschichte eines Landes, aus dem der Bundeskanzler alle juedischen Menschen ausweisen laesst (die industrielle Ermordung von JuedInnen konnte sich Bettauer nicht einmal vorstellen, hier war die Wirklichkeit furchtbarer als jede literarische Fiktion). Doch siehe da: Die Probleme sind dieselben geblieben, die Wirtschaftslage schlecht, die Loehne niedrig, die Mieten hoch, der Alltag grau und auch die freien Sitzplaetze in der Strassenbahn noch immer zu wenige. Bloss die Juedinnen und Juden, auf die man und frau alles schieben konnte, die sind nicht mehr da. Und das ist auch schon die Wahrheit ueber die FPOe: Es wird durch sie nichts besser. Manche werden vielleicht gehen muessen, wenn sie jemals an die Macht kommt. Was haben die Zurueckgebliebenen davon? Gar nichts.

Initiative Aspangbahnhof

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