KPÖ Wien West
Die KPÖ im Westen Wiens

Aspangbahnhof - Gedenken

AntifaLiebe Freundinnen und Freunde – und wen es betrifft: Genossinnen und Genossen!

Ich spreche hier als Antifaschistin und Unterstützerin der Initiative Aspangbahnhof.
In den vorangegangenen Redebeiträgen wurden die schrecklichen Geschehnisse, deren wir heute hier gedenken, ausführlich beschrieben.
Das Grauen der Reichspogromnacht lässt sich heutzutage ohnehin kaum in Worte fassen oder vorstellen.
Vergessen werden darf es nicht.
Was man aber ebenfalls nicht vergessen sollte: Die befohlenen Übergriffe und Plünderungen waren von der NSDAP auch als Test für die Stimmung innerhalb der Bevölkerung vorgesehen und diesen Test haben die Wiener und Wienerinnen im Sinne der Faschisten bestens bestanden: Viele beteiligten sich an Zerstörungen und Plünderungen, der Großteil blieb passiv und nur wenige wagten es, für die Bedrängten Partei zu ergreifen.
Damit war der Weg frei für weitere Repressalien gegen die Jüdinnen und Juden und alle anderen sogenannten Feinde des III. Reiches, der letztlich in der physischen Vernichtung von Millionen von Menschen enden sollte.
Viele Wienerinnen und Wiener haben ihren Beitrag geleistet durch MitläuferInnentum, durch Mittelmäßigkeit, durch Feigheit und Gier und haben so durch die Summe „kleiner Verbrechen“ erst die ganz großen Verbrechen ermöglicht.
Auch das sollte nicht vergessen werden, vor allem nicht, weil es auch heute wieder Parteien gibt, die diese Eigenschaften für sich instrumentalisieren wollen. Kleine feige Mitläufer und Mitläuferinnen sind besonders in Parteien mit großen Führern erwünscht.
Jedes Mal, wenn ich hier an der Stelle des ehemaligen Aspangbahnhofs stehe, der die letzte Station im Leben so vieler Menschen war, denke ich, dass es ein großer, gut einsichtiger Platz gewesen ist. Viele Menschen sahen, was hier vorging, manche sollen sich sogar an Plünderungen des zurück gelassenen Gepäcks beteiligt haben. Vielleicht leben sogar noch einige davon in den umliegenden Häusern?


Der Historiker Gerhard Botz schreibt:

„Die Aggressivität gegen die Juden bedurfte hier keiner besonderen theoretischen Überhöhung, versprach sie doch eine Erfüllung ganz konkreter Interessen: die Beseitigung eines jüdischen Konkurrenten (...), die Erlangung einer Wohnung(...), usw. Diese Art von Antisemitismus verstand jeder, der sich von der „Judenhatz“ einen materiellen Vorteil erhoffte.“ (Zitat Ende – aus Botz 1975, S.124.)

Sicherlich leben noch immer Menschen bzw. deren Kinder oder Enkel in Wiener Wohnungen, die „arisiert“ wurden oder die anderweitig an der Deportation und Ermordung der Juden und Jüdinnen profitiert haben. Es wäre höchste Zeit, dieses unrühmliche Kapitel der Geschichte genauer aufzuarbeiten, denn bis heute liegt keine wissenschaftliche Gesamtdarstellung über diese Thematik und ihre Hintergründe vor. Die kleinliche blanke Gier war in vielen Fällen auch der Grund zum Unrecht zu schweigen.
Und das Schweigen der Massen zu Unrecht machte und macht die ganz großen Verbrechen erst möglich, dies gilt auch für die heutige Situation. Feigheit und Gier bewirken das Schweigen zu den Verbrechen des Kapitalismus – wie Rassismus, Sexismus, zur Ausbeutung indigener Völker und ermöglichten den Aufstieg neuer und alter rechter Parteien.

Eine, die nicht zum Unrecht schweigen konnte, war die Gründerin der Initiative Aspangbahnhof: Unsere Freundin und Genossin Hanna Pils. Sie hat durch ihren Mut und ihre unermüdliche Arbeit erreicht, dass hier ein Gedenken möglich ist an die Opfer des 9. und 10. November 1938 und an die Opfer, die später hier deportiert wurden und damit gezeigt, dass auch ein einzelner Mensch sehr wohl etwas bewirken kann. Mit dem Gedenken an sie möchte ich meine Rede beenden.
Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

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Aspangbahnhof - Gedenken
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