KPÖ Wien West
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Schützt Lohnarbeit gegen eine Corona-Infektion?

Um Missverständnisse vorzubeugen: Ich bin weder Intensivmediziner noch Epidemiolge, weder Krankenpfleger noch Statistiker, der den Verlauf der Pandemie zu berechnen versucht. Ob und wie mittels diverser Maßnahmen eine Ausbreitung der Pandemie verhindert und damit die Todeszahlen begrenzt werden können, darüber kann meiner Meinung nach debattiert werden, obwohl ich finde, dass es vor allem gilt, katastrophale Entwicklungen wie in manch anderen Ländern zu verhindern.

Mein Hausverstand veranlasst mich jedoch zu meinen, dass die letzten Maßnahmen der Regierung, die vor einigen Tagen verkündet wurden, keinen Sinn ergeben.

Schi-Lifte werden - trotz nach wie vor hoher Infektionszahlen - mit 24. Dezember geöffnet, während Gastronomie, Hotels und Handel bis Mitte/Ende Jänner geschlossen bleiben, dann seltsame "Freitest-Regelungen" in Kraft treten. Am 24. und 25.12. sind größere Zusammenkünfte (nicht mehr als zehn Personen aus ebenso vielen Haushalten) noch erlaubt, ab 26. Dezember gibt es dann den angeblich 3 harten Lockdown. Aber handelt es sich wirklich um einen harten Lockdown, der mit jenem vom März vergleichbar ist?

Wir erinnern uns: im März/April waren nur systemrelevante Bereiche (Krankenhäuser, Apotheken, Supermärkte, Müllabfuhr, ....) geöffnet. Im bevorstehenden "Lockdown" werden jedoch viele Wirtschaftsbereiche mit hunderttausenden Beschäftigten geöffnet bleiben, während zugleich viele Familien und insbesondere Alleinerzieherinnen wiederum zumindest für 1 1/2 Wochen mit den Folgen von "Distance-Learning" konfrontiert werden. In der Verwaltung darf weiter gearbeit werden und auch Bauarbeiter "dürfen" ebenso weiter ihrer Arbeit nachgehen wie Beschäftigte in der Industrie. In der OMV, der Voestalpine und im gesamten Bereich der Industrie (immerhin rund 1 Million Beschäftigte) darf - gewisse Einschränkungen beachtend - brav weiter gearbeitet werden. Um die Gesundheit der Menschen, um den Schutz von Leben geht es - so meine Wahrnehmung - aller Beteuerungen zum Trotz immer weniger.

Fast scheint es so, als ob Kurz, Nehammer, Kogler und Anschober meinten, es wäre wissenschaftlich bewiesen, dass Lohnarbeit wirksam gegen eine Corona-Infektion schützen würde.

Parallel dazu gibt es eine Ausgangssperre rund um die Uhr, die eben nur zwecks Absolvierung der Lohnarbeit, für Einkäufe, Erholung bzw. um anderen Menschen zu helfen, übertreten werden darf.

Das Motto lautet also: Die Wirtschaft muss am Laufen bleiben (Koste es, was es wolle). Der Erwerbsarbeit aufgrund gesundheitlicher Bedenken fernzubleiben, ist nicht vorgesehen. Verkauft wird uns all das mit der altbekannten Behauptung "Geht´s der Wirtschaft gut, so geht es uns allen gut" - obwohl dieser PR-Gag seit Jahrzehnten millionenfach widerlegt ist.

Mir jedenfalls scheint, dass für die Regierung Kurz-Kogler mittlerweile ganz eindeutig der Profit einiger weniger Wirtschaftssektoren und Player im Zentrum der diversen Corona-Maßnahmen steht - was für uns Bürger und Bürgerinnen und unsere Gesundheit gar nicht gut ist.

Didi Zach, Landessprecher der KPÖ-Wien

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